Sonntag, 23. September 2018

Eine literarische Stunde mit Sasa Stanisic in der Gemeindebücherei

Mein erstes deutsches Wort war „Lothar Matthäus“

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Sasa Stanisic.

 

Dossenheim, 20. März 2012. (red/cr) Der junge Autor Sasa Stanisic zeigt, dass ernste Themen auch mit Humor gesehen werden können. Vor über fünfzig Zuhörern las der aus Bosnien-Herzegowina stammende Schriftsteller Texte in der Gemeindebücherei Dossenheim.

Von Christian Ruser

Bereits bei der Begrüßung merkte man, dass er das Publikum für sich eingenommen hatte. Gerd Hammer, Vorsitzender des Freundeskreises der Bücherei und ehemaliger Schulleiter der Internationalen Gesamtschule Heidelberg (IGH) freute sich sichtlich, einen früheren Schüler einladen zu können.

Auch eine große Zahl von Stanisics alten Lehrern hatte sich eingefunden. Unter anderem auch sein Deutschlehrer Herr Nickisch. Dieser hatte den Bosnienflüchtling schon früh zum Schreiben ermutigte. So besprachen sie damals beispielsweise eines seiner Gedichte unter Pseudonym in der Klasse.

Bei seiner Lesung bleibt der Schriftsteller natürlich, bittet das Publikum doch gerne auch aufzustehen und sich etwas zu trinken zu holen, da er ja bisher der einzig mit einem Weinglas sei. Doch kaum einer kommt der Aufforderung nach. Zu fesselnd sind seine Texte. Lebhaft, mit witzigen Methapern und einnehmenden Gesten füllt er seinen Vortrag mit Leben.

So beschreibt ein Text sein Aufwachsen in Heidelberg, ebenso wie die Stadt selbst. Als Flüchtling, kaum mehr Deutsch als „Lothar Matthäus“ sprechend erlebt er im Stadtteil Emmertsgrund ein gänzlich unromantisches Heidelberg. Über die „Schweiz“ Heidelbergs, eine Aral Tankstelle, an der sich Türken, Russlanddeutsche, Bosnier und Serben friedlich treffen schreibt er:

An guten Tagen konnte man bis Frankreich sehen, an schlechten in den Lauf einer Gaspistole.

Stanisic trägt mit leichtem charmanten Akzent und einem heiteren Lächeln auf den Lippen vor. Sein eigenes Lachen verführt das Publikum einzustimmen.

Auch bei schwierigen Themen schafft es Stanisic immer wieder durch Heiterkeit aufzulockern. Dabei hilft ihm seine erfrischende Natürlichkeit.

Das Publikum zeigt, dass er als Autor alle Generationen anspricht. Die meisten werden ein wenig nachdenklich, alle aber mit einem Lachen und gut unterhalten nachhause gehen.