Freitag, 20. April 2018

"Seltsame Flaschen" im Bereich Kandelbach in Ladenburg

Entwicklung von innovativen Lockstofffallen

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Im Labor wird fleissig an den neuen Lockstofffallen geforscht.

 

Dossenheim/Ladenburg/Rhein-Neckar, 02. Mai 2012. (red/jt) Am Schriesheimer Fu├čweg in Ladenburg h├Ąngen bereits seit einiger Zeit „seltsame Flaschen“ in den B├Ąumen. Hinter den „Flaschen“ steckt ein interessantes Forschungsprojekt des nahegelegenen Julius K├╝hn-Instituts. Es handelt sich dabei um die Prototypen neuartiger Lockstofffallen.

Von J├Ârg Theobald

Am Julius K├╝hn-Institut in Dossenheim wird seit dem Herbst 2011 im Rahmen eines Forschungsprojektes an der Entwicklung von neuartigen Lockstofffallen gearbeitet. Manch einer wird sich ├╝ber die „seltsamen Flaschen“ in den B├Ąumen im Bereich des Kandelbachs in Ladenburg schon gewundert haben.

Laut Dr. J├╝rgen Gross, Leiter des Fachgebiets Chemische ├ľkologie, wurden diese Lockstofffallen in einem Umkreis von 10 Kilometern aufgeh├Ąngt. Gross sagt dazu:

Mit dem Forschungsprojekt wollen wir das Wanderverhalten verschiedener Battfloharten wie dem Birnblattsauger untersuchen. Die Insekten ├╝berwintern oft auf Nadelb├Ąumen, also hier in der Region vermutlich im Odenwald, und fliegen dann im Fr├╝hling hinunter in die Ebene. Dort vermehren sie sich dann und kehren sp├Ąter in ihr Winterquartier zur├╝ck.

Friederike Lang forscht im Zuge ihrer Masterarbeit im JKI. Unterst├╝tzt wird sie dabei von Dr. J├╝rgen Gross, dem Leiter des Fachbereichs

Die Studentin Friederike Lang von der Fachhochschule Geisenheim f├╝hrt das Forschungsprojekt im Rahmen ihrer Masterarbeit durch. Betreut wird sie dabei von Dr. Gross und seiner Mitarbeiterin Dr. Astrid Eben.

Noch bis in den Sommer will man in dem Institut erforschen, welche Wanderwege die Blattfl├Âhe nehmen und anhand welcher Duftstoffe sie sich orientieren.

Die Tiere kommunizieren untereinander mit Geschlechtspheromonen, ihre Wirtspflanzen finden sie ebenfalls anhand von Duftstoffen. Schafft man es, einen Stoff k├╝nstlich herzustellen, der f├╝r die Tiere interessant ist, hat man noch nicht zwangsl├Ąufig eine funktionierende Falle.

Solche Duftstofffallen m├╝ssen nat├╝rlich eine sehr hohe Attraktivit├Ąt f├╝r die Tiere haben. Aber nicht alles, was im Labor funktioniert, ist dann auch in der Natur erfolgreich.

Ausserhalb der sterilen Laborumgebung gibt es neben den k├╝nstlichen Duftstoffen eine Vielzahl anderer Duft- und Botenstoffe. Hinzu kommen Chemiekalien, Abgase, Faktoren wie Regen, Windstr├Âmungen und dergleichen mehr.

Millionensch├Ąden durch Insekten

Durch die Sch├Ądlinge werden Pflanzenkrankheiten, sogenannte Phytoplasmosen ├╝bertragen. Durch diese Krankheiten entstehen im Obstbau jedes Jahr Millionensch├Ąden.

Eine direkte Bek├Ąmpfung der ausl├Âsenden Bakterien, den Phytoplasmen, ist nicht m├Âglich. Deswegen ist aktuell noch der breitfl├Ąchige Einsatz von Insektiziden im gewerblichen Obstbau ├╝blich.

Langfristig will das Institut sch├Ądlingsspezifische Lockstofffallen entwickeln, um so umweltfreundlichere Bek├Ąmpfungsmethoden zu entwickeln.

Wenn uns das gelingt, dann k├Ânnen wir ein Monitoring durchf├╝hren. Anhand der Anzahl der gefangenen Sch├Ądlinge k├Ânnen wir genau sehen, wann sie sich wohin bewegen. Wenn man genau wei├č, wann die Tiere kommen, kann ein gezielter Insektizideinsatz erfolgen.

M├Âglicherweise kann man die Insekten mit den zu entwickelnden Fallen auch gezielt abfangen, so dass gar kein Insektizid mehr notwendig ist.

F├Ârdergelder und Patente

Das Julius K├╝hn-Institut versteckt sich in einem unauff├Ąlligen Geb├Ąude mitten zwischen Wiesen und Feldern.

Verdienen wird das Julius K├╝hn-Institut an den Ergebnissen der Forschung nicht. Lediglich die entstandenen Kosten d├╝rfe man so wieder hereinholen. Als Bundesforschungsinstitut d├╝rfe man keine Gewinne erzielen, so Gross.

Wie hoch die Kosten f├╝r das Institut sind, l├Ąsst sich laut Gross nicht genau beziffern. Dadurch, dass das Projekt von der Studentin Friederike Lang gef├╝hrt wird und man die Fallen zu gro├čen Teilen selbst herstellt, lassen sich aber einige Kosten sparen.

F├╝r die Arbeit bekommt das Institut F├Ârdergelder von der Bundesanstalt f├╝r Landwirtschaft und Ern├Ąhrung (BLE), dem Bundesministerium f├╝r Wirtschaft und Technologie (BMWi) und dem Bundesministerium f├╝r Ern├Ąhrung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (BMELV). Zudem arbeitet man mit der Firma Insect Services GmbH aus Berlin zusammen.

Sollten aus der Forschung irgendwann Patente hervorgehen, gehen die daraus resultierenden Gewinne wahrscheinlich zu unterschiedlichen Teilen an die Firma Insect Services und den Bund.

Information:

Wer sich f├╝r die Arbeit des Julius K├╝hn-Instituts interessiert kann sich am 30. Juni 2012 beim Tag der offenen T├╝r vor Ort selbst ein Bild machen. Von 11:00 Uhr bis 18:00 Uhr stehen die Mitarbeiter interessierten Besuchern Rede und Antwort.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.