Samstag, 08. Dezember 2018

Die Sch├╝lerin Lena Pazinski machte eine Woche BOGY-Praktikum am Europ├Ąischen Parlament

„Eine einmalige Gelegenheit“

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Schriesheim/Rhein-Neckar, 08. Juni 2013. (red/ld) Ihre Mitsch├╝ler machen BOGY-Praktika bei Arztpraxen, in sozialen Einrichtungen oder bei Dienstleistern. Die 15-J├Ąhrige Lena Pazinski macht ihr Praktikum am Europ├Ąischen Parlament in Stra├čburg, genauer im B├╝ro der Abgeordneten Franziska Brantner. Nach dem Abitur am Kurpfalz-Gymnasium-Schriesheim┬áin zwei Jahren will Lena „irgendwas mit Sprachen machen.“ Wie es ist, in Stra├čburg zu arbeiten, hat sie uns im Interview erz├Ąhlt. Bei den einw├Âchigen Praktika der Berufs- und Studienorientierung am Gymnasium (BOGY) k├Ânnen Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler in der zehnten Klasse erste Erfahrungen im Berufsalltag sammeln.

Interview: Lydia Dartsch

Du hast Dein Praktikum in der Mai-Sitzungswoche am Europ├Ąischen Parlament in Stra├čburg gemacht. Sind Praktika an Institutionen am Kurpfalz-Gymnasium ├╝blich? Wo verbringen Deine Mitsch├╝ler diese Woche?

Lena Pazinski: Das ist unterschiedlich. Ein Mitsch├╝ler ist in der Redaktion einer Tageszeitung. Andere machen Praktika im Hotel oder in einer Firma f├╝r Veranstaltungsmanagement.

Was war f├╝r Dich so interessant an Stra├čburg?

Pazinski: Das Praktikum im B├╝ro von Franziska Brantner war eine einmalige Gelegenheit, die ich unbedingt ergreifen wollte. Praktika in Heidelberg und der Umgebung kann ich immer noch machen, aber wer kommt denn schon ans Europ├Ąische Parlament?

Wie bist Du denn zu dem Praktikum gekommen?

Pazinski: Ich wollte auf jeden Fall etwas mit Sprachen machen, weil ich das sp├Ąter auch studieren m├Âchte. Meine Eltern hatten damals die Idee, dass ich f├╝r mein Praktikum ans Europ├Ąische Parlament gehen k├Ânnte. Im Internet habe ich dann Berichte von anderen Sch├╝lern gefunden, die dort ein Praktikum gemacht hatten.

Wie ging das dann weiter? Wie bekommt man ein Praktikum am Europ├Ąischen Parlament?

Pazinski: Ich habe Franziska Anfang des Jahres bei einer Veranstaltung in Schriesheim getroffen. Ich habe sie angesprochen, ob ich bei ihr ein Praktikum machen kann. Sie hat ja gesagt und dann habe ich ihr meine Bewerbung und meinen Lebenslauf geschickt, und heute bin ich hier.

„Alles ist so gro├č!“

Was hast Du hier erwartet von diesem Haus?

Pazinski: Vor allem hat mich interessiert, wie das Parlament organisiert ist. Ich war hier ja noch nie. Ich hatte gehofft, hier viele neue Leute kennen zu lernen. Meine Mutter hat mir von den Dolmetscherkabinen erz├Ąhlt, von denen aus die Sitzungen ├╝bersetzt werden. Sie kennt ein paar Dolmetscher, die hier arbeiten aus ihrem Studium zur ├ťbersetzerin.

Haben sich Deine Erwartungen erf├╝llt?

Pazinski: Als ich zuerst ins Geb├Ąude gekommen bin, habe ich gedacht: „Wow!“ Alles ist so gro├č. Ich habe mich gefragt, wie man sich hier zurecht findet. Gestern habe ich mich sogar verlaufen, als ich Briefe zur Post bringen sollte. Die G├Ąnge hier sind einfach sehr verwinkelt.

Das soll sogar noch manchen Mitarbeitern hier passieren, habe ich geh├Ârt. Welche Aufgaben hast Du denn hier erledigen d├╝rfen?

Pazinski: Ich war vor allem bei Sitzungen dabei und habe zugeh├Ârt. Ich fand zum Beispiel die Sitzung gestern interessant, als sie die ganzen Aufgaben verteilt haben. Dann habe ich Franziska Unterlagen in die Members‘ Bar gebracht und war bei Besuchergruppen dabei.

Die Members‘ Bar ist doch f├╝r Abgeordnete reserviert. Hat Dich der Portier nicht aufgehalten?

Pazinski: Ich bin einfach in die Bar rein. Der Portier hat mich nicht aufgehalten.

"Mich hat es ├╝berrascht, dass alles hier so organisiert und durchgeplant ist." Was im Plenarsaal entschieden wird, betrifft Millionen von Menschen.

„Mich hat es ├╝berrascht, dass alles hier so gut organisiert und durchgeplant ist“, sagt Lena Pazinski. Was im Plenarsaal entschieden wird, betrifft Millionen von Menschen.

 

Was hat Dich hier besonders beeindruckt?

Pazinski: Ich finde die vielen internationalen Leute hier faszinierend. Auf den G├Ąngen und in den Bars unterhalten sich die Menschen in so vielen unterschiedlichen Sprachen. Da wird einem viel bewusster, dass Entscheidungen, die hier getroffen werden, so viele Menschen betreffen.

Mitsch├╝ler fanden es cool.

Gibt es etwas, das Dich hier ├╝berrascht hat? Was war das?

Pazinski: Ich hatte mir gar nicht vorgestellt, dass die Abl├Ąufe hier so gut organisiert sind. Im Plenum geht es bei den Redebeitr├Ągen so diszipliniert zu: Jeder h├Ąlt sich genau an seine Redezeit.

Was haben Deine Mitsch├╝ler dazu gesagt, dass Du hier ein Praktikum machen darfst?

Pazinski: Die fanden es cool – auch weil ich f├╝r die Woche in einer ganz anderen Stadt bin.

Jetzt ist Deine Woche am Parlament schon zu Ende. Was nimmst Du aus dieser Arbeitswoche mit nach Schriesheim zur├╝ck?

Pazinski: Das Praktikum hier war sehr toll. Es hat mir auch viel Motivation gegeben, mehrere Sprachen zu lernen.

Was hast Du denn nach dem Abitur vor? Kommt eine Stelle als Abgeordnete f├╝r Dich in Frage?

Pazinski: Das w├Ąre mir auf Dauer zu stressig. Ich habe gesehen, dass Franziska von einem Termin zum n├Ąchsten rennt. Ich kann mir vorstellen Lehrerin zu werden und Sprachen zu studieren. Auf jeden Fall m├Âchte ich noch Spanisch lernen. Und nach dem Abi will ich f├╝r ein halbes Jahr nach New York gehen und nach Australien zum Work & Travel.

├ťber Hardy Prothmann

Hardy Prothmann (50) ist seit 1991 freier Journalist und Chefredakteur von Rheinneckarblog.de. Er ist Gr├╝ndungsmitglied von Netzwerk Recherche. Er schreibt am liebsten Portr├Ąts und Reportagen oder macht investigative St├╝cke.