Montag, 05. August 2019

"Die Eltern müssen entscheiden"

Ein sehbinderter Schüler geht künftig zur Neubergschule

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Nicht nur an der Neuberg-, auch an der Kurpfalzschule sollen künftig behinderte Kinder am Regelschulbetrieb teilnehmen können. / Foto: Wikimedia Commons, Immanuel Giehl. Lizenz: gemeinfrei

 

Dossenheim, 01. Juli 2013. (red/zef) Die Eltern eines sehbehinderten Kindes haben sich dafür entschieden, dass ihr Kind künftig die Neubergschule in Dossenheim besuchen soll. Da dies im Rahmen eines aktuellen Schulversuchs stattfindet, musste auch der Gemeinderat zustimmen. Am Mittwoch votierten alle Gemeinderatsmitglieder dafür, dass die Neuberg- und Kurpfalzschule jetzt behinderten Kindern generell offen stehen sollen.

Von Ziad-Emanuel Farag

Das Kultusministerium erließ am 03. Mai 2010 Regelungen, mit denen der Beschluss „Schulische Bildung von jungen Menschen mit Behinderung“ umgesetzt werden soll. Dieser sieht vor, dass behinderte Kinder, wenn es möglich ist, eine Schule für Kinder und Jugendliche ohne Behinderungen besuchen sollen. Wenn die Eltern sich für den Besuch einer Regelschule entscheiden, findet eine Bildungswegekonferenz mit allen Beteiligten statt, das heißt mit den Eltern, dem Staatlichen Schulamt, dem Träger der Eingliederungshilfe in die neue Schule, der neuen Schule, die Sonderschule und der Gemeinde. Dort stimmen alle ab, wie man das Kind integrieren kann und welche Maßnahmen dafür notwendig sind. Ein Beispiel dafür wäre ein Lift für ein gehbehindertes Kind.

Aktuell plant die grün-rote Landesregierung für 2015 ein neues Schulgesetz. Dieses wird es den Eltern von behinderten Kindern ermöglichen, sie auf die Regelschule ihrer Wahl zu schicken. Die jeweiligen Schulen sind dann verpflichtet, diese Kinder aufzunehmen. Nur wenn die Maßnahmen, die dies sicherstellen, unverhältnismäßig teuer wären, könnte das Schulamt das jeweilige Kind einer anderen Schule zuweisen. Die Kosten für alle Vorrichtungen muss der Schulträger zahlen, die Kosten für die Beförderung trägt der jeweilige Landkreis.

Die Eltern eines sehbehinderten Kindes beantragten nun, dass es künftig die Neuberschule in Dossenheim besuchen soll. Da es sich aktuell aber noch um einen Schulversuch handelt, muss neben der Gesamtlehrerkonferenz und der Schulkonferenz der Neubergschule auch der Gemeinderat zustimmen. Hilfsmittel, wie ein klingender Ball und Umbaumaßnahmen an den Treppenstufen für ein besseres Ertasten, kosten bisher 400 Euro. Wie hoch die Kosten insgesamt sein werden, ist noch nicht bekannt. Die Gesamtlehrerkonferenz und die Schulkonferenz der Neubergschule haben bereits am 14. Mai beschlossen, das Kind in ihrer Schule aufznehmen.

Die Gesellschaft hat sich gewandelt und dass Behinderte nicht mehr außen vor sind, gehört dazu. Es steht ja nicht nur das behinderte Kind im Vordergrund, sondern alle, damit sich auch ihr Blick ändert und es normal wird, Behinderte zu integrieren. Ich stimme hier zu, generell sollten wir aber den Schwerpunkt auf eine Schule legen. Die Kurpfalzschule ist barrierefreier als die Neubergschule,

sagte Carlo Bonifer (SPD). Dem entgegnete Bürgermeister Hans Lorenz:

Die Einschränkungen sind bei jedem Kind verschieden. Deswegen ist eine pauschale Regelung nicht sinnvoll, man sollte immer im Einzelfall schauen, welche Schule für welches Kind die besseren Voraussetzungen bietet.

Hermann Fischer (FDP) ist es am wichtigsten, dass die Eltern darüber entscheiden. Er untermauert dies mit einem Verweis auf die Geschichte Dossenheims:

In den 1920er Jahren hat eine Familie in Dossenheim schon einmal Inklusion durchgesetzt. Alle vier Kinder waren blind. Das erste schickten die Eltern auf eine Blindenschule, das zweite auch. Da machten sie allerdings schlimme Erfahrungen. Ihr drittes Kind, einen Jungen, schickten sie dann zur Volksschule. Er hatte gute Zeugnisse und lauter Einsen, das Schulamt war aber dagegen und hat ihn jedes halbe Jahr überprüft. Schließlich machte er am Gymnasium für Blinde in Marburg sein Abitur. Das zeigt: Die Eltern sollten immer entscheiden können.

Auch Cornelia Wesch (Freie Wähler) und Hans-Peter Stöhr (CDU) befürworteten den Antrag. Dementsprechend stimmten am Mittwoch auch alle Gemeinderatsmitglieder zu und beschlossen, dass auch die Kurpfalzschule behinderten Kindern offen stehen soll.