Mittwoch, 22. November 2017

Die Gemeinde und die Firma Tröndle einigen bei Fassadefarbe, Begrünung und Parkflächen

Noch keine Einigung beim Ärtzehaus in der Bahnhofstraße

Print Friendly, PDF & Email

Dossenheim, 19. Juli. (red/zef) Nebem dem würfelförmigen BSC-Gebäude am Ortseingang in den Bahnhofstraße soll künftig ein ähnlich hohes, ebenfalls kubisches Ärtztehaus am Ortseingang entstehen. Die entscheidenden Fragen waren am Dienstag im Gemeinderat: Wie kann man sicherstellen, dass dieses Gebäude nicht zu auffällig ist? Hier gibt es zwei Alternativen: Errichtet man ein drittes Vollgeschoss, sodass die Gemeinde in einem städtebaulichen Vertrag auf die Farbgestaltung und Begrünung Einfluss nehmen kann? Oder wird das neue Gebäude nicht größer als 2,75 Geschosse? Dann hätte die Gemeinde auf die Gestaltung des Gebäudes jedoch keinen Einfluss. Die Parkmöglichkeiten waren ebenfalls ein sehr wichtiges Thema.

Von Ziad-Emanuel Farag

Das neue Gebäude soll ein Würfel mit einem Flachdach sein: Damit fügt es sich in die nähere Umgebung aus dem BSC-Neubau, der Bebauung in der Beethovenstraße mit der Volksbank und dem Möbelhaus Kisch ein. Das BSC-Gebäude hat ebenfalls Würfelform, auch in Höhe und Ausrichtung sind die Gebäude aufeinander abgestimmt, beispielsweise ist das BSC-Gebäude 12 Meter hoch, die Höhe des Ärtzehauses wird 12,11 Meter betragen. Das Grundstück wird 823 Quadratmeter groß sein, die bebaute Grundstücksläufe wird sich auf 520 Quadratmeter belaufen.

Die acht Parkplätze des Ärztehauses können jedoch nur über die Bahnhofsstraße befahren werden. Mit dem Eigentümer des angrenzenden Grundstückes konnte keine Einigung erzielt werden, damit es möglich ist, sie auch über den Bangert zu erreichen.

Drei Vollgeschosse sind für alle ein Gewinn

Dass das Ärztehaus mehr als drei Vollgeschosse umfasst, ist sowohl für den Bauherrn als auch für die Stadt Dossenheim zunächst ein Gewinn: So gibt es einerseits mehr Platz für Arztpraxen, andererseits hat die Gemeinde nur so ein Mitspracherecht. Bei weniger als drei Geschossen  könnte die Stadt nicht die Gestaltung des Gebäudes und des Grundstückes und wie es in das Ortsbild eingebunden ist, gar nicht beeinflussen: Der Bauherr hätte nach § 34 BauGB dann das Recht das Grundstück zu bebauen, ein städtebaulicher Vertrag wäre nicht nötig.

Unser Ziel ist ein städtebaulicher Vertrag, damit die Gemeinde viel Einfluss hat. Wir sollten nun in Verhandlungen klären, ob man das letzte Geschoss nicht zum Beispiel um ein Viertelgeschoss reduziert, indem man von einer Kante zwei Meter wegnimmt und das letzte Geschoss dadurch 28 Quadrameter kleiner ist. Damit schützt man auch das nördlich angrenzende Haus davor, von dem Neubau zu sehr verdeckt zu werden. Dann ist man dort vielleicht auch offen für eine andere Regelung, was die Parkmöglichkeiten betrifft,

sagte Bernhard Willwert (CDU). Bürgermeister Hans Lorenz hofft auch, dass bei der Erreichbarkeit der Parkplätze noch nicht das letzte Wort gesprochen ist. Damit in der Umgebung das neue Ärztehaus nicht zu sehr heraussticht, sind jedoch im städtebaulichen Vertrag zahlreiche Maßnahmen vorgesehen:

Begrünung soll die optische Wucht reduzieren

So bleiben die Bäume an der B3 erhalten. Der Kopfbau soll zudem eine weiße Farbe erhalten. Damit das Gebäude dennoch nicht zu steril wirkt, soll die Seite zur Bahnhofstraße hin in einem farblich einheitlichen-Ton hervortreten und das Gebäude begrünt werden: An der Südseite werden Stahlkästen an die Fassade gehängt, die Flachdächer werden bepflanzt. An der Nord-Ost- und Ostkante werden Pflanzen im Stile eines hängenden Gartens ins Erdgeschoss hineinreichen. Die Farbe der Fassade soll auf diese Begrünung abgestimmt werden. Auf dem Grundstück Bäume oder Sträucher zu pflanzen, ist aber überwiegend nicht möglich, da dies Kabel in der Bahnhofstraße und ein Tiefkeller an der Westseite des Gebäudes verhindern. Zudem stimmt der Bauherr im Vertrag zu, den Belag für den Außenbereich des Grundstückes zu verwenden, den die Gemeinde wünscht. Cornelia Wesch (Freie Wähler) reicht das nicht:

Wir können einer dreigeschossigen Bauweise nicht zustimmen. Das neue Ärztehaus ist uns viel zu massiv und zu mächtig. Da hilft keine Begrünung, wir müssen ans Gebäude selbst ran. Es hat dieselbe Grundfläche wie das BSC-Gebäude, jedoch 170 Quadrameter mehr Geschossfläche. Jeder ist beim BSC-Gebäude froh, dass das letzte Geschoss kein Vollgeschoss ist. Eine Visitenkarte für Dossenheim kann das am Ortseingang mit drei Vollgeschossen nicht sein. Wir bräuchten einen Plan, in dem auch die Möglichkeit mit 2,75 Geschossen realisiert ist. Es ist uns aber zu wenig, die Fläche um 28 Quadratmeter zu verringern.

Dem entgegnete Carlo Bonifer (SPD):

Diese Stelle hat seit 50 Jahren ohnehin keinen dörflichen Charakter mehr. Mit dem BSC-Gebäude hat sich dort eine neue Formsprache angegliedert, die seit Jahren anerkannt wird. Das neue Ärztehaus knüpft daran an. Das Gebäude mitgestalten können wir nur, wenn es größer ist als 2,75 Geschosse.

Schließlich stimmte der Gemeinderat bei einer Enthaltung von den Freien Wählern zu, dass man dem städtebaulichen Vertrag prinzipiell doch zustimmt. Man solle aber, bevor man ihn abschließt, wegen der Verkleinerung des letzten Geschossen mit der Firma Tröndle als Bauherrn verhandeln. Cornelia Wesch forderte, dass man bis zu 90 Quadratmeter weniger verhandeln soll.

Das ist nicht sinnvoll, dann wird der Bauherr gleich 110 Quadrameter weniger bauen, sodass das Gebäude doch nur 2,75 Geschosse umfasst. Bis zu 70 Quadrameter sind realistisch,

entgegnete Bürgermeister Hans Lorenz. Dr. Thomas Katlun (Bündnis 90/Die Grünen) seine Fraktionskollegin stimmten als einzige dagegen: Sie forderten insbesondere wegen der Parkplätze und ihrer Befahrbarkeit ein Verkehrskonzept, das bisher fehlen würde. Über die Park- und Stellplätze entscheidet jedoch das Landratsamt, die Gemeinde hat hier keine Handhabe. Seine Fraktionskollegin Ute Zedler sagte jedoch:

Das Landratsamt hat keine Kenntnis von unserer Verkehrssituation. Das Ziel eines weiteren Fahrradstreifen, damit man gefahrlos neben der B3 fahren kann, sehe ich gefährdet. Wie fahren die Autos zum Ärtzehaus raus und rein? Wie parken sie ein und aus? Die Gefahrensituation sollte also geprüft werden.