Dienstag, 19. September 2017

Viele WĂŒnsche - nur teilweise Entscheidungskompetenz

Grabsteine ohne Kinderarbeit

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Dossenheim, 07. Februar 2014. (red/ms) Schon im Dezember standen mehrere AntrĂ€ge verschiedener Fraktionen im Gemeinderat zur Abstimmung – sie wurden allerdings vertagt. Am Dienstag wurden sie ein weiteres Mal behandelt und erhielten generell Zustimmung. Allerdings ist noch unklar, ob das, was man sich wĂŒnscht, auch tatsĂ€chlich umgesetzt werden kann. Denn viele Vorhaben ĂŒberschreiten den Gestaltungsspielraum des Gemeinderats.

Von Minh Schredle

Man ist sich im Gemeinderat einig, dass die Überquerung der Bahngleise beim BSC-GebĂ€ude zu gefĂ€hrlich ist. Trotzdem wird es schwierig, das zu verĂ€ndern: Der Antrag der SPD-Fraktion, den Übergang zu verbessern, erhielt große Zustimmung.

Allerdings ist fraglich, ob die Umsetzung so erfolgen kann, wie man es sich wĂŒnscht. Erstens wĂ€re es mit einer immensen finanziellen Belastung verbunden. Zweitens tut man sich schwer, zu beurteilen, ob das Vorhaben straßenbaurechtlich ĂŒberhaupt zulĂ€ssig ist und will hier ein GesprĂ€ch suchen.

Wird das Überqueren sicherer?

Auch ein anderes Vorhaben der SPD-Fraktion wird durch die rechtlichen Vorgaben erschwert: Die Überquerung der Kreuzung zwischen Bochstraße und Autobahnzubringer soll zukĂŒnftig freundlicher fĂŒr FußgĂ€nger und Radfahrer werden. Auch hier gab es fraktionsĂŒbergreifende Zustimmung.

Der Gestaltungsspielraum der Gemeinde ist jedoch gering: Die Gemarkung befindet sich nicht im Besitz der Gemeinde, somit können Änderungen nicht eigenstĂ€ndig vorgenommen werden, sondern nur nach Abstimmung mit den zustĂ€ndigen Behörden in Heidelberg erfolgen. Jetzt wird das GesprĂ€ch gesucht.

Bald „freundliche“ Toiletten?

Im gesamten Bereich des Bahnhofplatzes existieren keine öffentlichen Toiletten. Die Freien WĂ€hler wollen sich am Vorbild anderer Gemeinden und Kommunen im Umkreis orientieren: Einige bieten ein Konzept namens „Freundliche Toiletten“. Gewerbebetreiber in NĂ€he des Bahnhofs stellen ihre Toiletten zur VerfĂŒgung – und zwar kostenlos.

Das kann vom Gemeiderat nicht vorgeschrieben werden, sondern muss freiwillig erfolgen. Ein Aufkleber kann dann signalisieren, in welchen GebĂ€uden „Freundliche Toiletten“ zu finden sind. Laut Cornelia Wesch sei diese Aktion auch im Interesse der Unternehmer und Gewerbebetreibenden: So wĂŒrden die Beziehungen zu den Kunden deutlich verbessert und langfristige Bindungen könnten entstehen.

Kinderfreundliche Grabsteine

Nach SchĂ€tzungen von Experten stammen etwa die HĂ€lfte der Grabsteine, die derzeit neu gekauft werden, aus Indien. Dort werden sie vielfach in Kinderarbeit unter menschenverachtenden UmstĂ€nden hergestellt. 40 Gemeinden in Baden-WĂŒrttemberg haben mittlerweile per Satzung beschlossen, nur noch fair gehandelte Grabsteine auf ihren Friedhöfen zu akzeptieren. Unter anderem gehören auch Leimen und Salem. Gestern ist Dossenheim nachgezogen.

Der Antrag stammte von grĂŒn-kommunal. Im Gegensatz zu den zuvor genannten Vorhaben, hat hier die Gemeinde eine volle Weisungsbefugnis. Da der Antrag akzeptiert wurde, wird die Sitzung verbindlich verĂ€ndert. Zur Zeit ist aber noch fraglich, wie fair gehandelte Grabsteine zertifiziert werden und wie zuverlĂ€ssige Kontrollen durchgefĂŒhrt werden sollen.

 

 

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.

  • marc

    Grabmale aus Kinderhand aus Indien ?

    Meine Meinung dazu ist klar anders.

    Diese Diskussion zieht sich bereits seit langer Zeit durch die Medien. Sie dient als Schlagzeile um andere Themen anzusprechen und mediale Aufmerksamkeit zu erzielen. Das ganze ist aber hoch bedenklich, wenn man weis , daß in der Wertschöpfungskette fĂŒr hochwertige Produkte aus Naturstein kein Platz fĂŒr Kinderarbeit und unqualifizierte KrĂ€fte ist, abgesehen von Reinigungsarbeiten u.Ă€.

    Der gewonnene Naturstein bleibt nur zu einem Bruchteil auf dem Friedhof, das meiste wird im Baubereich verwendet. Dazu sind optimal erschlossene Vorkommen notwendig, um konkurrenzfÀhig zu sein, das bedeutet den Einsatz moderner Technik und von qualifiziertem Personal. Es wird hier eben oft mit Milionenwerten umgegangen. Der Absatz von Stein ist klar international.

    Das Grabmal selbst entsteht dann aus den gewonnenen Rohblöcken, es wird zu scheiben verarbeitet und dann evtl. weiter geformt. Dieses geschieht ebenfalls technisiert- auch die Löhne in Indien sind gestiegen. Sofern eine weitere handwerkliche Bearbeitung erfolgen soll, muss das Ergebnis passen – schon wieder ist eine Ausbildung notwendig. Eine Wertschöpfung dort mit Kinderarbeit funktioniert nicht. Das mag beim Beschlagen von Bruchsteinen, die nicht DIN-gerecht sein mĂŒssen ( die werden maschinell bearbeitet ) oder polygonalen Spaltplatten möglich sein. Die finden aber auf dem Friedhof eher keine Verwendung. Das sind Produkte die im GALABAU verwendet oder im Baumarkt angeboten werden.

    Inzwischen ist es so, daß sich einzelne Verarbeiter in Deutschland extra zertifizieren lassen, durch die Igep Organisation. Diese und andere ĂŒberwachen die Verarbeitungsprozesse in den LĂ€ndern von vielen Branchen, auch z.B. Textilien.

    Spricht man aber mit den Verantwortlichen, so haben diese bei der Überwachung von Grabmalprodukten keine Arbeit im Gegensatz zu Textilprodukten und anderen, hier werden diese Zertifikate oft nicht ausgestellt weil diese Probleme existieren.
    Vielleicht sollten die Politiker sich zunĂ€chst mit der Materie auseinandersetzen – oder auch mal selbst vor Ort in den LĂ€ndern nachsehen, um sich eine gute Meinung zu bilden.