Freitag, 10. Mai 2019

Treillage auf Bahnhofsplatz sorgt für Diskussion im Gemeinderat

Großes Kino für kleine Leinwand

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Dossenheim, 13. März 2014. (red/ld) Können ein paar sekrechte Streifen den ganzen Bahnhofsplatz verschandeln? Wenn es nach den Gemeinderäten geht, können sie das. Deshalb wurde der Vorschlag der Landschaftsarchitekten für die geplante Treillage zurückgestellt. So hatten sich die Gemeinderäte den Platz nicht vorgestellt. Am Ende der Diskussion wurde dann doch die Vergabe für Bauarbeiten auf dem Platz, inklusive 290.000 Euro Mehrkosten, beschlossen. Für die Treillage wird es nun eng. Im Sommer soll alles gebaut werden.

Siegerentwurf für den Bahnhofsplatz "Willkommen in Dossenheim". Bild: Gemeinde Dossenheim

Siegerentwurf für den Bahnhofsplatz „Willkommen in Dossenheim“. Bild: Gemeinde Dossenheim

Von Lydia Dartsch

Zum Schluss wurde doch noch die Firma Becker aus Zuzenhausen mit den Platzarbeiten beauftragt. Für 1.456.957 Euro soll sie noch in diesem Jahr den Bahnhofsplatz umbauen. Dafür ist vorgesehen, den Platz mit Winterporphyr zu pflastern. Außerdem soll die Straßenbahnhaltestelle blindengerecht umgebaut werden und der Jugendgemeinderat hatte sich einen Trinkbrunnen gewünscht, der 12.000 Euro kosten wird. Der Gemeinderat erteilte für diese Punkte seine mehrheitliche Zustimmung.

Zudem wird der Platz die nötige Infrastruktur bekommen, um auch Veranstaltungen dort zu ermöglichen. Das hatte sich die Verwaltung gewünscht. An anderen Stellen hatten die Landschaftsarchitekten von Faktorgrün einige Abstriche vom Entwurf gemacht, damit der Bau günstiger werde. Durch nachträgliche Auflagen des Badischen Blindenvereins und der Verkehrsbehörde wird das Projekt trotzdem 290.000 Euro teurer als geplant. Diesen Mehrausgaben konnte der Gemeinderat noch mehrheitlich zustimmen.

Geplante Treillage blendet Verkehrsteilnehmer

Überhaupt nicht zufrieden waren die Gemeinderäte mit dem Vorschlag für die Treillage, die 390.000 Euro kosten soll. Zwar war vorgesehen, diesen Gang mit durchsichtigem Material zu gestalten, um Autofahrern und Fußgängern den Blick auf den Platz freizugeben. Zudem sollte die Treillage als Entrée zum Platz hochwertig aussehen. Zudem sind dort Überdachungen geplant, die Wartenden einen Wetterschutz bieten sollen.

Doch die Sonne machte der ursprünglichen Planung einen Strich durch die Rechnung. „Es hat sich in der Zusammenarbeit mit dem Blendgutachter gezeigt, dass durch das verwendete Glas Verkehrsteilnehmer auf der B3 geblendet werden können“, sagte Landschaftsarchitekt Oliver Kölling. Dies sei vor allem bei tiefstehender Sonne der Fall. Also bei Sonnenauf- und -untergang.

Blendlamellen einzige Lösungsmöglichkeit

Man habe andere Materialien ausprobiert, sagte Herr Kölling. Man sei am Ende aber doch wieder beim Glas gelandet. Andere Materialien hätten entweder die gewünschte Transparenz der Treillage nicht ermöglicht, oder hätten nicht wertig ausgesehen, weil sie zu leicht verschmutzt werden könnten.

Alternativ könnten nun Blendlamellen an die Scheiben angebracht werden: 17 Zentimeter tiefe Streifen, die senkrecht auf des Glas aufgebracht werden und in Richtung der B3 ragen. So kann eine Blendung von Verkehrsteilnehmern verhindert werden, habe auch der Blendgutachter befunden, sagte Herr Kölling. Außerdem könne so ein besonderer Effekt erzielt werden, wenn man die Lamellen entsprechend bedruckt, könnten Vorbeifahrende den Schriftzug „Dossenheim“ lesen.

Transparente Striche in der Landschaft oder blickdichte Wand?

Diese „paar Striche mehr in der Landschaft“, wie die Architekten sie nannten, hatten Zunder. Gut eine Stunde lang entbrannte eine Diskussion darum, ob das einst beschlossene Konzept noch Bestand habe. Dr. Thomas Katlun (Bündnis 90/Die Grünen) sagte, der Vorschlag sei völlig konzeptionslos. Man habe keinen Wettbewerb veranstaltet, um um später etwas anderes als den Siegerentwurf zu realisieren.

Cornelia Wesch (Freie Wähler) zeigte sich besorgt um die gewünschte Transparenz der Treillage:

Man sollte durchsehen können und neugierig werden auf das, was dahinter ist.

Carlo Bonifer (SPD) zeigte sich enttäuscht. Er habe großes Kino erwartet und bekomme nun eine kleine Leinwand. 390.000 Euro damit Autofahrer im Vorbeifahren „Dossenheim“ lesen können, seien ein starkes Stück, sagte er. Als Autofahrer habe man eine Wand vor sich und keinen Blick mehr auf die Berge, sagte Hans-Peter Stöhr (CDU). Auch Elisabeth Schröder (Freie Wähler) sagte, sie werde den Vorschlag nicht unterstützen.

Barbara Castaneda (grün kommunal) gab zu bedenken, dass jeder Bau, auch einmal Änderungen in der Planung bedeute. Zum Schluss entschied sich der Gemeinderat, mit der Beschlussfassung über die Treillage noch zu warten. Bis zum neuen Termin soll nun ein Modell gebaut werden, das den Vorschlag von Faktorgrün verdeutlicht. Damit wird es eng für den Bau der Treillage, der im Sommer begonnen werden sollte. Erst nach dem ausstehenden Beschluss des Gemeinderats kann der nötige Bauantrag eingereicht werden und danach Ausschreibungen und die Auftragsvergabe stattfinden. Das soll noch vor der Sommerpause passieren.

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.