Dienstag, 11. Dezember 2018

Zukunftswerkstatt f├╝r friedliche Konfliktl├Âsung

Miteinander sprechen, aufeinander zugehen

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Dossenheim, 27. Juni 2014. (red/ld) Wo Menschen leben, gibt es Streit. Man muss nur wissen, wie man ihn ohne Gewalt beendet. Dazu braucht es vor allem Gespr├Ąche und Kompromissbereitschaft. Das sind nur zwei Ergebnisse der Zukunftswerkstatt, die nach drei Jahren Pause im Mai wieder aufgenommen wurde. Diesmal geht es darum, friedlich miteinander zu leben – ganz im Zeichen der Schie├čerei im vergangenen August.

Nachbarschaft geht selten ohne Konflikte. In Dossenheim wird in der Zukunftswerkstatt beraten, wie man sich gewaltfrei einigt. Foto: Archivbild aus der Premiere "Krieg der Geranien" im Rhein-Neckar-Theater.

Nachbarschaft geht selten ohne Konflikte. In Dossenheim wird in der Zukunftswerkstatt beraten, wie man sich gewaltfrei einigt. Foto: Symbolbild aus der Premiere „Krieg der Geranien“ im Rhein-Neckar-Theater.

Von Lydia Dartsch

Konflikte seien normal, wo Menschen zusammenleben – vor allem, wenn sie auf engem Raum zusammen leben, sagt Dr. Robert Fischer, der Veranstaltungen der Zukunftswerkstatt moderiert. Der wohl heftigste hatte sich im vergangenen August bei der Schie├čerei w├Ąhrend einer Wohnungseigent├╝merversammlung entladen: Damals waren drei Menschen get├Âtet und f├╝nf weitere verletzt worden. Eine Aufarbeitung dieser Tat wollte die Veranstaltung am Dienstag Abend explizit nicht bieten. Vielmehr sollten die gut 40 Teilnehmer dar├╝ber sprechen, wie Konflikte in der Nachbarschaft friedlich zu l├Âsen und was die Gemeinde und Vereine dazu beitragen k├Ânnen.

Ganz wichtig ist, dass der Gespr├Ąchsfaden nicht abrei├čt,

sagt B├╝rgermeister Hans Lorenz, der am Dienstag auch anwesend war. Wenn man aufgeh├Ârt hat, miteinander zu reden, k├Ânnten sich Konflikte verfestigen, g├Ąren und versch├Ąrfen, sagt er. Das k├Ânne sich dann ├╝ber Generationen fortsetzen. „Aber irgendwann wei├č niemand mehr, worum es ging.“ Gr├╝nde k├Ânne ein Baum des Nachbarn sein, der zu nah am eigenen Grundst├╝ck steht oder L├Ąrmbel├Ąstigungen. Dann auf den Anderen zuzugehen und das Gespr├Ąch zu suchen, werde oft als Schw├Ąche gesehen. Dabei sei dies eine St├Ąrke. Einen konkreten Fall in der Gemeinde kenne er nicht, sagt er.

Konflikte erkennen, miteinander reden

Dr. Robert Fischer moderiert die Zukunftswerkstatt. Foto: privat

Dr. Robert Fischer moderiert die Zukunftswerkstatt. Foto: privat

Gespr├Ąche waren die Vorgehensweise des Abends: Zuerst sprachen die rund 40 Teilnehmer zu zweit ├╝ber das Thema. In weiteren Schritten wurden die Gruppen gr├Â├čer und konkrete Ideen und Anregungen wurden erarbeitet. Wie gering der Aufwand sein kann, besser miteinander klar zu kommen, zeigt ein Gespr├Ąch, das Dr. Robert Fischer bei der Zukunftswerkstatt mitbekommen hatte: „Ein Neu- und ein Altb├╝rger sprachen dar├╝ber, ob man sich auf der Stra├če gr├╝├čen solle“, sagt er. W├Ąhrend der eine dies gewohnt sei, habe der andere l├Ąngere Zeit in der Stadt gelebt, in der dies nicht ├╝blich sei.

Konflikte fr├╝hzeitig erkennen und das Gespr├Ąch miteinander suchen, wurde auch in der Zukunftswerkstatt genannt. Au├čerdem regten die Teilnehmer an, respektvoll miteinander umzugehen, ungeachtet von sozialem Hintergrund oder Alter. Auch das Einhalten der eigenen Rechte und die Anerkennung der Rechte der Mitb├╝rger wurden genannt.

Auch die Gemeinde und Vereine k├Ânnten etwas zu einem friedlichen Miteinander beitragen, sagte B├╝rgermeister Hans Lorenz auf Anfrage: Beispielsweise k├Ânne man bereits Kindern im Kindergarten beibringen, Konflikte friedlich zu l├Âsen und eine Streitkultur zu begr├╝nden: „Streiten kann man lernen“, steht beispielsweise auf dem Ergebnispapier des Abends. Diesen Ansatz k├Ânne man an Schulen und mit speziell ausgebildeten Mediatoren oder Schlichtungsstellen f├╝r Erwachsene fortf├╝hren, sagte Herr Lorenz.

Vor knapp einem Jahr war ein Streit eskaliert. Drei Menschen starben. F├╝nf weitere wurden verletzt.

Im August 2013 war ein Streit eskaliert. Drei Menschen starben. F├╝nf weitere wurden verletzt.

Die Antworten und Anregungen der Teilnehmer wurden gesammelt und in die Internetseite der Zukunftswerkstatt eingepflegt. Wer am Dienstagabend nicht teilnehmen konnte, kann dort mitdiskutieren und Anregungen geben. Zwar ist man in der Verwaltung nicht an die Ergebnisse der Zukunftswerkstatt gebunden. Das sagen auch Dr. Fischer und Herr Lorenz: „Die Entscheidungen trifft der Gemeinderat.“ Dennoch seien die Ergebnisse der ersten Zukunftswerkstatt im Jahr 2011 in der Vergangenheit immer wieder bei Gemeinderatsverhandlungen herangezogen worden, sagte Herr Lorenz: „Die Fraktionen greifen immer wieder auf die Ergebnisse von damals zur├╝ck.“

Jeder ist eingeladen mitzumachen

Bei den Gespr├Ąchsrunden vor drei Jahren hatte man in den Zukunftswerkst├Ątten ├╝ber st├Ądtebauliche Entwicklung, Verkehr und Umwelt sowie ├╝ber Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur diskutiert. Im Zuge der Veranstaltung seien verschiedene Arbeitskreise entstanden, sagt Dr. Fischer – beispielsweise der Arbeitskreis Senioren und der Arbeitskreis Energie. Bereits damals hatte B├╝rgermeister Lorenz angek├╝ndigt, die Zukunftswerkst├Ątten nach drei Jahren zu wiederholen. „Im Hintergrund der Tat vor einem Jahr hat es sich angeboten, den friedlichen Umgang miteinander zu thematisieren“, sagte er.

Insgesamt sei diese zweite Runde sehr erfreulich gelaufen, sagte Herr Lorenz. Die Anfangsschwierigkeiten, die man vor drei Jahren noch hatte gebe es nicht mehr: „Damals haben wir bei Null angefangen und Themen gesucht. Heute kennen wir die Abl├Ąufe einer solchen B├╝rgerbeteiligung.“ F├╝r die dritte Zukunftswerkstatt zum Thema „Friedliches Miteinander“ werde man im Herbst Experten einladen. Ein Termin steht noch nicht fest. Alle Interessierten seien aber schon jetzt dazu eingeladen.

├ťber Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.