Montag, 29. Oktober 2018

Übung fĂŒr außergewöhnliche Einsatzsituationen

Feuerwehr geht baden

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Dossenheim, 01. September 2014. (red/ld) Ein Sprung, ein Platsch und die Feuerwehr ist im Wasser – samt Einsatzkleidung und AusrĂŒstung. Eine ungewöhnliche Übung fĂŒr ungewöhnliche Situationen der Feuerwehr-Arbeit.

Mit einem Sprung sind die EinsatzkrÀfte der Dossenheimer Feuerwehr im Wasser.

Mit einem Sprung sind die EinsatzkrÀfte der Dossenheimer Feuerwehr im Wasser.

Von Lydia Dartsch

Zusammen springen alle EinsatzkrĂ€fte in ihrer Montur ins Becken des Hallenbades. Nur die Stiefel mussten wegen der Sauberkeit draußen bleiben. Ansonsten haben die MĂ€nner und eine Frau alles an: Hose, Einsatzjacke und Helm. SpĂ€ter kommt noch die AtemschutzausrĂŒstung dazu.

Einsatzkleidung im Wasser wird bleischwer.

Einsatzkleidung im Wasser wird bleischwer.

FĂŒnf Minuten lang sollen sie so im Wasser aushalten. Schwimmen ist verboten, Wassertreten erlaubt. Am Anfang gibt das Luftpolster unter der Kleidung noch etwas Auftrieb, doch schnell saugt sich das Material mit Wasser voll und zieht die EinsatzkrĂ€fte in die Tiefe: „Wie Blei“, sagt Richard Stickel.

FĂŒnf Minuten sind anstrengend

Der Erste gibt schon nach zwei Minuten auf und schwimmt an den Beckenrand. Der Zweite folgt eine Minute spĂ€ter. Die meisten halten fĂŒnf Minuten durch, aber die Anstrengung kann man ihnen von den Gesichtern ablesen.

„LĂ€nger hĂ€lt man das nicht aus“, sagt Richard Stickel, Schwimmmeister und seit 25 Jahren bei der freiwilligen Feuerwehr. Wenn jemand aus dem Neckar oder der Waidlache gerettet werden muss, dauere es vom Absetzen des Notrufs bestenfalls zehn Minuten, bis die EinsatzkrĂ€fte alarmiert und vor Ort sind: „Der VerunglĂŒckte hat keine Chance, wenn er nicht schwimmen kann.“

Nur mĂŒhsam schaffen es die Feuerwehrleute, danach ĂŒber den Rand aus dem Becken zu klettern. Die Einsatzkleidung ist vollgesogen mit Wasser und bestimmt dreimal so schwer als im trockenen Zustand. „Das zieht krĂ€ftig nach unten“, sagt Ulrike Stickel.

Die Übung zeigt: Es muss schnell gehen

Die Übung diene gleich zwei Zwecken, sagt Kommandant Stefan Wieder: „Die Kollegen merken, wie es ist, wenn jemand voll bekleidet in den Neckar fĂ€llt und sie wissen, dass es dann schnell gehen muss, den VerunglĂŒckten zu retten.“

Anders verhĂ€lt es sich mit den Chemiekalien-Schutz-AnzĂŒgen. In diesen ist man von der Außenwelt hermetisch abgeschirmt. Man wird per Druckluftflasche und AtemschutzgerĂ€t mit Luft versorgt. An Land herrscht deshalb ein stĂ€ndiger Überdruck. Im Wasser sieht es zunĂ€chst so aus als wĂŒrde die Luft heraus gedrĂŒckt. Vor allem unten an den Beinen liegt der Anzug eng an. Doch bald finden die Kameraden heraus, dass man sich einfach aufs Wasser legen und treiben lassen kann.

Sprung vom Drei-Meter-Brett.

Sprung vom Drei-Meter-Brett.

EinsĂ€tze wie dieser seien selten, sagt Kommandant Wieder. Doch sie seien dennoch möglich: „Wir haben etliche GewĂ€sser in unserem Einsatzgebiet. Dazu gehört neben der Waidlache auch der Neckar“, sagt er. Bei EinsĂ€tzen auf Neckarschiffen könne es schon passieren, dass man ĂŒber Bord fĂ€llt. Darauf sollen die Kameraden vorbereitet sein, um richtig reagieren zu können.

Tauchen mit AtemschutzgerÀt?

„Die erste Reaktion ist Panik. Dabei ist der Kopf bekanntermaßen nur bedingt kontrollierbar“, sagt er. Anders sei es, wenn man schon einmal in einer solchen Situation war. Dann könne man besonnener reagieren.

Mit dieser Übung, organisiert von Stefan Mathies und Ralf Huber finden die EinsatzkrĂ€fte auch heraus, ob ihr AtemschutzgerĂ€t sie unter Wasser mit Luft versorgt und was damit passiert, wenn sie aus grĂ¶ĂŸeren Höhen ins Wasser springen.

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Auch das AtemschutzgerÀt wird im Wasser ausprobiert.

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Sprung vom Dreimeter-Brett.

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Einsatzkleidung ist vollgesogen mit Wasser.

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Bevor der Chemikalienschutzanzug ins Hallenbadwasser darf, muss er geduscht werden.

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Unten wird die Luft nach oben gedrĂŒckt. Der Chemikalienschutzanzug liegt an den Beinen eng an.

In den ChemikalienschutzanzĂŒgen kann man sich einfach treiben lassen.

Doch in den ChemikalienschutzanzĂŒgen kann man sich einfach treiben lassen.

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Die Mannschaft der freiwilligen Feuerwehr bei ihrer Übung im Hallenbad.

Über Lydia Dartsch

Lydia Dartsch (31) hat erfolgreich ihr Volontariat beim Rheinneckarblog.de absolviert und arbeitet nun als Redakteurin. Die studierte Politikwissenschaftlerin und Anglistin liebt Kino, spielt Gitarre und sportelt gerne.