Dienstag, 19. September 2017

Noch schnelleres Internet, um konkurrenzfÀhig zu bleiben

Breitbandausbau kostet Gemeinde 4,5 Millionen Euro

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Dossenheim, 29. Oktober 2014. (red/ms) Schnelles und zuverlĂ€ssiges Internet wird im privaten, wie im beruflichen Alltag immer bedeutender. FĂŒr Unternehmen ist es inzwischen zu einem der wichtigsten Standortfaktoren geworden. In Dossenheim ist die Versorgung mit möglichen Daten-Geschwindigkeiten von bis zu 150 Mbit/sec außergewöhnlich gut und dĂŒrfte momentan ausreichen, um den AnsprĂŒchen von BĂŒrgern und Gerwerbe gerecht zu werden – aber reicht das auch noch in zehn Jahren? Oder in fĂŒnfzehn? Der Gemeinderat hat beschlossen den Breitbandausbau weiter voranzutreiben. FĂŒr Kosten in Höhe von 4,5 Millionen Euro. (Anm. d. Red. Der Artikel war bereits am 17. Oktober fertig, wird aber leider erst jetzt veröffentlicht, weil er „ĂŒbersehen“ worden ist.)

Von Minh Schredle

FĂŒr Gesamtkosten von etwa einer viertel Milliarde Euro plant der Rhein-Neckar-Kreis gerade ein Großprojekt: Den flĂ€chendeckenden Ausbau von Breitbandverbindungen in der Metropolregion. Die 54 Gemeinden und Kommunen des Kreises können dem Zweckverband High-Speed-Netz Rhein-Neckar beitreten, der bis 2030 allen AnschlĂŒssen im Rhein-Neckar-Kreis Zugang zu Glasfaserkabeln ermöglichen will – dem derzeit schnellsten und modernsten Medium ĂŒberhaupt.

 

Ein abgemanteltes Kabel mit vier Glasfasern. Foto: Kabel Deutschland

Ein abgemanteltes Kabel mit vier Fasern. Unter Idealbedingungen lassen sich damit Übertragungsraten von mehreren Terrabit pro Sekunde erreichen. Foto: Kabel Deutschland

 

Der Eintritt in den Zweckverband kostet pro Einwohner einen Euro. FĂŒr Dossenheim sind das also gut 12.000 Euro. Doch das ist nur ein Bruchteil der Gesamtkosten: Zwar wird das Projekt krĂ€ftig bezuschusst, trotzdem muss damit gerechnet werden, dass die Gemeinde etwa ein Drittel der Gesamtkosten als Eigenkapital aufbringen muss – und das entspricht nach den aktuellen SchĂ€tzungen ungefĂ€hr 4,5 Million Euro

Teure Leitungen

Was das Projekt so teuer macht sind nicht die Glasfaserkabel an sich, sondern die nötigen Tiefbauarbeiten, um diese zu verlegen: Die Kabel verlaufen unter der Erde, daher mĂŒssen die Straßen aufgerissen werden. Diese Arbeiten können allerdings mit ohnehin anstehenden Sanierungen verbunden werden, wodurch sich laut Verwaltung in EinzelfĂ€llen bis zu 80 Prozent der Kosten einsparen lassen können.

DafĂŒr ist jedoch eine genaue Feinplanung nötig – und diese wird die Gemeinde etwa 20.000 Euro kosten. Der Gemeinderat beschloss einstimmig, hier 22.000 Euro als Kostenobergrenze festzulegen. Die UmrĂŒstung soll nicht auf einen Schlag erfolgen, sondern schrittweise vorangetrieben werden: So verteilen sich die Kosten von 4,5 Millionen Euro auf die nĂ€chsten fĂŒnfzehn Jahre.

Investition lohnenswert?

Nichtsdestotrotz bleibt es eine gewaltige Summe und eine große finanzielle Belastung. Außerdem ist die Versorgung in Dossenheim auf einem sehr guten Stand. Lohnt sich die AufrĂŒstung ĂŒberhaupt?

Seit der Geburststunde des Internets ist der Bedarf an schnellem Datenverkehr kontinuierlich gestiegen – und ein Ende ist nicht abzusehen. Momentan sind im Innenbereich Dossenheims Daten-Geschwindigkeiten von bis zu 150 Mbit/sec möglich. Der durchschnittliche Bedarf von Unternehmen wird derzeit auf etwa 54 Mbit/sec geschĂ€tzt. Allerdings soll sich dieser Bedarf bereits bis 2018 auf 169 MBit/sec erhöhen.

Rasanter Fortschritt

Was heute also gut ist, kann morgen nur noch Mittelmaß sein. Übermorgen ist es veraltet und nicht mehr konkurrenzfĂ€hig. Insofern muss irgendwann ein Ausbau erfolgen, um als Gemeinde weiterhin attraktiv fĂŒr junge Familien und Unternehmen zu bleiben.

Laut Angaben des Rhein-Neckar-Kreises soll sich die Investition langfristig auszahlen. Konkrete Zahlen oder auch nur ungefĂ€hre GrĂ¶ĂŸenordnungen wurden hierzu allerdings noch nicht genannt. Wenn das Netz fertiggestellt ist, werde man es verpachten. So sei auf Dauer mit ErtrĂ€gen zu rechnen, die dann anteilig an die teilnehmden Gemeinden ausgezahlt werden.

Einstimmes „Ja“ zum Ausbau

In einer europaweiten Ausschreibung wird ein Netzbetreiber ermittelt. Der Rhein-Neckar-Kreis und der Landkreis Karlsruhe haben in einer Kooperationsvereinbarung festgelegt, nach einem gemeinsamen Investoren zu suchen. So versucht man das Netz auch fĂŒr grĂ¶ĂŸere Unternehmen reizvoll zu machen. Als Faustregel gilt: Je grĂ¶ĂŸer das Netz, desto gĂŒnstiger die Kosten fĂŒr den einzelnen Abnehmer.

Der Gemeinderat zeigte sich ĂŒberzeugt von dem Konzept des Zweckverbandes und beschloss einstimmig, dem High-Speed-Netz Rhein-Neckar beizutreten. Die ersten Arbeiten sollen 2016 beginnen, die letzten AnschlĂŒsse an das Netz sollen bis 2028 erfolgen.

Über Minh Schredle

Minh Schredle (22) hat 2013 als Praktikant bei uns angefangen und war seitdem freier Mitarbeiter. Von Dezember 2014 bis August 2016 hat er volontiert. Ab September 2016 ist er freier Mitarbeiter bei uns.