Sonntag, 19. November 2017

Gabis Kolumne

Das Kreuz mit dem Kreuz

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Rhein-Neckar, 16. September 2013. NĂ€chsten Sonntag ist Bundestagswahl und wer die Wahl hat, hat bekanntlich auch die Qual. Gabi macht sich darĂŒber so ihre eigenen Gedanken. Und auch, wenn sie schon weiß, wo sie ihre Kreuze machen wird, ist sie damit nicht wirklich zufrieden. [Weiterlesen…]

Geprothmannt: Vom Lobbyismus zum Leistungsschutzrecht

„Die Mehrheit im Bundestag sind Internet-Doof-Finder“

 

Rhein-Neckar/Berlin, 04. MĂ€rz 2013. (red/pro) Am Freitag hat eine Mehrheit im Bundestag dem „Leistungschutzrecht fĂŒr Presseverlage“ zugestimmt. Das Gesetz soll angeblich die „Leistungen“ von Verlagen schĂŒtzen – so dĂŒrfen nur noch „einzelne Worte“ oder „kleinste TextauszĂŒge“ von Verlagsinhalten kostenfrei angezeigt werden – alles andere muss bezahlt werden. Was „kleinste TextauszĂŒge“ genau heißt, ist offen und muss im Zweifel vor Gericht geklĂ€rt werden. Droht eine neue Abmahnwelle – provoziert durch die Verlegerlobby? FĂŒr die grĂŒne Medienexpertin Tabea RĂ¶ĂŸner steht jetzt schon fest: „Dieses Gesetz ist der grĂ¶ĂŸte Schwachsinn aller Zeiten.“ [Weiterlesen…]

Gabis Kolumne

Ausmisten ist gut fĂŒr die Seele

Kisten packen ist nur die halbe Arbeit. Davor muss man Ordnung schaffen – innerlich und Ă€ußerlich. Foto: Rheinneckarblog.

Rhein-Neckar, 14. Januar 2013. UmzĂŒge sind nicht nur eine Ă€ußerliche VerĂ€nderung des Wohnraums, sondern verĂ€ndern auch das eigene Leben. Eine von Gabis Freundinnen ist gerade umgezogen und hat Ordnung geschaffen – innerlich und Ă€ußerlich, wie Gabi erfahren hat.

„Ausmisten ist gut fĂŒr die Seele, befreit und macht leichter“, nach diesem Motto ging eine Freundin ihren Umzug an. Meistens schreibe ich ja ĂŒber meine Beobachtungen. Heute prĂ€sentiere ich Ihnen, was ich protokolliert habe:

Der Kleiderschrank war zuerst dran. Es ist erstaunlich, wieviel KleiderstĂŒcke „frau“ im Schrank aht, die „frau“ in den letzten drei bis fĂŒnf Jahren nicht mehr getragen haben, da sie A zu klein, B nicht mehr modern oder C eigentlich noch nie wirklich gefallen haben? Das waren zumindest bei mir ziemlich viele. Denn man hofft stets A, dass man wieder abnimmt, B, dass die Kleider wieder in Mode kommen oder C, dass man doch noch eine Gelegenheit findet, diese „guten“ StĂŒcke zu tragen, denn schließlich waren sie ja teuer.

Macht man sich davon frei – und das habe ich wirklich versucht – ist der Haufen der ausgemisteten Kleider grĂ¶ĂŸer als der, der im Schrank verbleibt. So schleppte ich gefĂŒhlte hundert SĂ€cke zur Altkleidersammlung.

Schwieriger gestaltete sich das Aussortieren des BĂŒcherregals. Es gibt die aktuellen Romane und die Klassiker, die packt man ganz schnell in die Kiste. Doch was macht man mit „Uta Danella“-Romanen, die im Umschlag den Namenszug der Großmutter tragen? BĂŒchern mit Widmungen, die man noch nie gelesen hat? BildbĂ€nde mit „Wunder dieser Welt“, die mal „sauteuer“ waren und die man in den letzten zehn Jahren nicht einmal in der Hand hatte? Und mit Lexika, die in den 90er Jahren erschienen sind?

Da hilft nur Ausmisten. Doch wohin? Alte Romane kriegt man in den BĂŒcherregalen der Kommunen unter, aber wohin mit BildbĂ€nde und Lexika, die möchte keiner mehr, also bleibt nur die Tonne und das ist schmerzhaft. Der Mannheimer Umzugsberater meines Vertrauens von ASH Kurpfalz UmzĂŒge hatte volles VerstĂ€ndnis dafĂŒr: „Lassen Sie sich Zeit und sehen Sie es als Chance“, sagte er verstĂ€ndnisvoll.

Horrorszenario Speicher

Ein Horrorszenario offenbarte sich auf dem Speicher: Kisten mit Kinderspielzeug, Kinderbetten, alte Fotos und Briefe, Dias, Unterlagen aus dem Studium – ein unerschöpflicher Quell der Erinnerungen. Hier geht Sortieren ans Eingemachte.

Die Uni-Unterlagen, die ich schon zweimal umgezogen habe, flogen jetzt endgĂŒltig ins Altpapier. Briefe, TagebĂŒcher und Fotos – da bin ich ganz sentimental – landeten in der Umzugskiste.

Die Kindersachen wurden in Aschenputtel-Marnier sortiert, die guten ins Töpfchen, die schlechten ins Kröpfchen. Sprich BilderbĂŒcher und Spielsachen, die der Nachwelt bzw. den Enkelkindern in weiter Ferne erhalten bleiben sollen, sowie Kinderbettchen und Schaukelpferd wurden eingepackt. UnvollstĂ€ndige Spiele und kaputte Spielsachen wanderten in den MĂŒll und den Rest brachte ich neben SchrĂ€nken, Regalen und Nippes zu einem sozialen Secondhand-Kaufhaus.

Horte der Sammelwut und Momente des GlĂŒcks

Und was bleibt noch ĂŒbrig? Richtig, der Keller. Ein weiterer Hort der ungezĂ€hmten Sammelwut. Braucht man wirklich acht Isomatten und zehn SchlafsĂ€cke? Wird man in naher Zukunft die Luftmatratze und das Schlauchboot flicken? Wie viel Beachball-Spiele und Squash-SchlĂ€ger kommen in den nĂ€chsten Jahren wirklich zum Einsatz? Da helfen nur eiserne Disziplin und große MĂŒllsĂ€cke.

Das mĂ€nnliche Spielfeld – die Werkstatt – auszumisten, habe ich meinem Mann ĂŒberlassen. Wie er mir versicherte, habe er gnadenlos weggeschmissen, dennoch blieb bei mir der Eindruck zurĂŒck, dass man mit den ĂŒbrig gebliebenen Schrauben, NĂ€geln und Brettern nebst Werkzeug in allen GrĂ¶ĂŸen und Formen ein ganzes Haus bauen könnte. Sehr lustig war, wenn ich ihn nach diesem und jedem fragte und wann er das schon mal benutzt hatte: „Bis jetzt noch nicht, Schatz, aber man weiß ja nie.“

Immerhin: Als ich eine Hakenschraube (nennt man das so?) erst mit dem Schraubenzieher und dann mit einer Zange aus der Wand holen wollte, verschwand er und kam triumphierend mit so einer Art Hakenzieher wieder. Das „Tool“ setzte er an und drehte mĂŒhelos mit einem LĂ€cheln die Haken aus der Wand: „Siehst Du, geht doch viel einfacher“, sagte er nicht ohne Stolz, endlich mal eines seiner sonst jahrelang ungebrauchten Werkzeuge einsetzen zu können. Und andere MĂ€nner sammelten schließlich Briefmarken oder Modellautos, er stehe halt auf Werkzeug. Sicher freut er sich drauf, im neuen Haus die Haken wieder eindrehen zu können.

Wohin mit dem MĂŒll?

Die wichtigsten „Events“ in dieser Lebensphase waren die Abfuhrtermine von SperrmĂŒll, Elektroschrott und Wertstofftonne sowie Altkleidersammlungen.

Denn hat man sich schon mehr oder weniger schweren Herzens von allen möglichen Dingen und Erinnerungen getrennt, bleibt die große Frage, wohin damit? Einen Container aufzustellen erschien mir zu brachial und gegen die – heutzutage in aller Munde – Nachhaltigkeit. Dementsprechend hat es mich gefreut, wenn Passanten und Sammler noch NĂŒtzliches vor meiner TĂŒr gefunden haben.

Freiheit!

„Und“, fragte ich nach dem Bericht meiner Freundin, „fĂŒhlst du dich jetzt leichter?“ „Befreit“, meinte sie, denn schließlich habe sie nun in SchrĂ€nken und Regalen wieder viel Platz und Neues könne jetzt Einzug halten – im Haus und im Leben.

Vielleicht sollten wir alle mal hÀufiger ausmisten, nicht nur beim Umzug, dachte ich.

gabi

Alice und ihre Welt - Kolumne von Gesina StÀrz

Die Sache mit den schwarzen Schafen

Ein schwarzes Schaf in einer Herden von weißen. Quelle: Jesus Solana/Wikipedia.

Rhein-Neckar, 02. April 2012. Gibt es schwarze Schafe? Und welche Bedeutung haben sie? Und was hat das alles mit der EuropĂ€ischen Union zu tun? DarĂŒber macht sich Gesina so ihre Gedanken.

Schwarze Schafe gibt es nicht. Dieser Satz ist kaum zu glauben, begleiten sie doch die meisten von uns seit Kindertagen, und zwar in Form eines Schlafliedes, das wohl aus der Kiste der schwarzen PĂ€dagogik stammt.

„Schlaf Kindlein schlaf. Da draußen steht ein Schaf, ein schwarzes und weißes und wenn das Kind nicht schlafen, will, dann kommt das schwarze und beißt es.“ Wer diese Version des Kinderliedes nicht kennt, kennt mit Sicherheit die Bezeichnung „schwarzes Schaf“ als Redensart.

Das „schwarze Schaf“ ist der Außenseiter in einer sozialen Gruppe, der SĂŒndenbock, der durch sein Verhalten missfĂ€llt und die anderen in Misskredit bringt.

Dennoch: schwarze Schafe gibt es nicht. Nicht in den landwirtschaftlichen Förderrichtlinien der EuropÀischen Gemeinschaft und nicht in Kinderliedern.

Das Kinderlied „Schlaf Kindlein schlaf.“, stammt aus dem Jahre 1611. Nur die erste Strophe gab es damals. Die lautete: „Schlaf, Kindlein, schlaf. Der Vater hĂŒt‘ die Schaf. Die Mutter schĂŒttelt‘s BĂ€umelein. Da fĂ€llt herab ein TrĂ€umelein. Schlaf, Kindlein, schlaf!“

Die schwarzen Schafe in der EuropÀischen Union

In der mehrstrophigen spĂ€teren Fassung aus des „Knaben Wunderhorn“ von 1808 kommt ein schwarzer Hund, aber kein schwarzes Schaf vor. Es gibt seither viele Fassungen des Schlafliedes, eine von Christian Morgenstern und viele sind Neuschöpfungen von Eltern und Großeltern, darunter die mit dem schwarzen Schaf, die wohl am bekanntesten in der Generation der Großeltern war, wo immer sie auch herstammt.

Und wie ist das nun mit der EuropĂ€ischen Union? Schwarze Schafe in der EU gibt es als Datenbank des Verbraucherschutzes. Schwarze Schafe in dieser Datenbank sind Unternehmen, die mit aggressivem Marketing, falschen und irrefĂŒhrenden Informationen Verbraucher zum Kauf nötigen. Vor diesen will uns die EU schĂŒtzen.

Wohl denn – was soll man dazu angesichts der Banken-, Finanz- und Eurokrise sagen? Die MĂ€nner und Frauen, die die Geschicke der EuropĂ€ischen Union lenken, singen uns zwar kein Kinderlied, aber erzĂ€hlen uns offensichtlich ein MĂ€rchen oder machen Kabarett. Wenn dem so ist, dĂŒrften sie heiße AnwĂ€rter auf den Kabarettpreis „das schwarze Schaf“ sein, den Hanns Dieter HĂŒsch 1999 ins Leben rief.

Förderrichtlinien fĂŒr schwarz-braune Schafe

ZurĂŒck zu den schwarzen Schafen: Schwarze Schafe, insbesondere schwarze LĂ€mmer sind wunderschöne Tiere mit samtschwarzen Augen und einem glĂ€nzenden schwarzen Fell. Sie gibt es. In der Natur. Heutzutage meist in sogenannten Arche-Höfen. Die Bezeichnung Arche-Hof wird von der Gesellschaft zur Erhaltung gefĂ€hrdeter Haustierrassen e.V. (GEH) vergeben.

Alle zwei Wochen stirbt laut GEH eine an Klima und Standort angepasste Nutztierrasse aus. Über 100 Rassen stehen allein in Deutschland auf der roten Liste. Die Landwirte aus dem Tegernseer Tal wie andernorts wissen davon. Arche-Höfe halten diese Tiere als Nutztiere und zĂŒchten sie.

Allerdings im Falle von schwarzen Schafen jenseits der Förderrichtlinien der EU, weshalb die SĂŒdtiroler ihre schwarzen Schafe schwarz-braune Schafe nennen. FĂŒr braune Schafe, die ebenfalls vom Aussterben bedroht sind, gibt es wiederum Fördergelder.

Aber warum ist ein schwarzes Schaf ein schwarzes Schaf und als solches geschmĂ€ht und nicht existent, wenn es auch allerliebst anzuschauen ist? Schwarze Schafe sind schon lange vor Zeiten der EU geĂ€chtet worden – es finden sich dazu sogar Bibelstellen im Alten Testament bei Moses – , da ihre Wolle nicht wie die von weißen Schafen gefĂ€rbt werden kann. Insofern ist diese wenig oder gar nichts wert.

Allerdings sind schwarze Schafe in Schafherden durchaus wichtig. In frĂŒheren Jahrhunderten bestand eine Schafherde aus etwa 300 Tieren. Jedes 20. Schaf war ein schwarzes, damit der SchĂ€fer seine SchĂ€fchen besser zĂ€hlen konnte. Heute besteht eine Schafherde aus 1000 Tieren. Jedes 50. Schaf ist ein schwarzes Schaf. Wer beim Einschlafen SchĂ€fchen zĂ€hlt, sollte also durchaus auch ein paar schwarze an seinem inneren Auge vorbeiziehen lassen.

Warnstreiks bringen Ärger fĂŒr BĂŒrgerinnen und BĂŒrger

Rhein-Neckar, 05. März 2012. Müllmänner, Busfahrer, Krankenschwestern, Kinderbetreuer sind von der Gewerkschaft verdi zu Warnstreiks aufgerufen werden. Die Folge: Durch den Arbeitskampf leiden die Bürgerinnen und Bürger.

Von Hardy Prothmann

Der Ärger ist kalkuliert und soll Druck ausüben. Die Gewerkschaft rechnet mit mehreren tausend Streikenden. Zehntausende, hunderttausende Bürgerinnen und Bürger werden darunter leiden müssen.

Hintergrund ist die Forderung nach mehr Geld für die fast zwei Millionen Beschäftigten beim Bund und den Kommunen. Die Gewerkschaften fordern 6,5 Prozet mehr Lohn. Die Arbeitgeber forderten, dass die Gewerkschaften ihre Forderungen nach unten anpassen sollten.

Die Gewerkschaftler fassten es als Provokation auf, dass die Arbeitgeber kein Angebot vorgelegt hätten. Nun reichen die Gewerkschaften diese „Provokation“ an die Bürgerinnen und Bürger weiter:

„Beim Auftakt der Tarifverhandlungen am 1. März 2012 in Potsdam haben die Arbeitgeber erneut die Chance verpasst, aus den Fehlern vergangener Tarifrunden zu lernen: Zum wiederholten Male legten sie zu Verhandlungsbeginn kein Angebot vor.“

Ob es auch ein Fehler sein könnte, die Bürgerinnen und Bürger so unter Druck zu setzen, fragen sich die Gewerkschaften nicht. Sie tun das einfach: Und eine Forderung von 6,5 Prozent mehr Gehalt ist utopisch hoch. Will man am Ende die Provokation?

Dabei haben die Verhandlungern erst am 01. März begonnen, heute, am 05. März wird schon gestreikt, die nächste Verhandlungsrunde soll am 12. März stattfinden.

Die Beschäftigten des öffentlichen Dienstes haben klar ein recht auf Streik, wenn die Arbeitsbedingungen unzumutbar oder im Vergleich sehr viel schlechter sind. Ist das so?

Diese Beschäftigten haben aber eine ungleich höhere Verantwortung als andere Arbeitnehmer, denn sie erhalten ihr Geld über die Steuern von uns Bürgerinnen und Bürgern.

Und diese müssen auch irgendwie rumkommen – allein erziehende Mütter ihre Kinder unterbringen können, Schulkinder müssen transportiert werden und andere ihre Arbeit erreichen.

Man muss von beiden Seiten, Gewerkschaften und Arbeitgebern, mehr Vernunft erwarten dürfen, sonst schwindet das Vertrauen in einen zuverlässigen öffentlichen Dienst.

Alice und ihre Welt - Kolumne von Gesina StÀrz

Schnecken, Austern und Sauerkraut – beim Verzehr bitte lĂ€cheln 


Frische Austern - wirklich lecker? Quelle: Wikipedia, Garitzko.

Rhein-Neckar, 16. Januar 2012. Gewisse Delikatessen verspeisen viele Menschen vor allem, um höflich zu sein und den Gastgeber nicht zu verÀrgern. Das erfuhr Gesina StÀrz neulich auf einer Party.

Die GÀste erzÀhlten sich ihre Erlebnisse mit Austern, Schnecken, Kaviar und Hummer. Eine Frau erzÀhlt:

„Austern musste ich einmal in Italien essen. Die kaufte unsere Gastgeberin immer in der FrĂŒh frisch auf dem Markt. Einmal nahm sie uns mit und wir mussten vor Ort jeder drei StĂŒck kosten.“

Weil sie höflich sein wollte, hĂ€tte sie die Austern sehr gelobt. Zum Abendessen habe es dann fĂŒr jeden zwölf Austern gegeben!

Diese weichen Gebilde zu verspeisen muss fĂŒr die Frau eine große Qual gewesen sein. Mir schien, als wĂŒrgte sie beim ErzĂ€hlen und ihr Gesicht ĂŒberzog sich mit so einem eigenartigen grĂŒnen Schimmer.

Am nĂ€chsten Tag habe die Gastgeberin die Austern zum GlĂŒck gratiniert, erzĂ€hlte die Frau weiter. Die Kruste ĂŒber den schleimigen Gebilden habe dann das Essen wesentlich erleichtert. Vielleicht erinnerte sie das an den guten bayerischen Schweinsbraten.

Zerlassene Schneckenbutter

Mein Erlebnis mit MeeresfrĂŒchten erzĂ€hlte ich lieber nicht. Der Abend in einem französischen Restaurant in der Pfalz endete mit einer Lebensmittelvergiftung. Der vierte Gang der MenĂŒfolge bestand nĂ€mlich aus Jakobsmuscheln auf Sauerkraut.

WĂ€hrend ich noch an die SchwĂ€cheanfĂ€lle dachte, die mich eine Woche nach dem vierten Gang „Jakobsmuscheln auf Sauerkraut“ peinigten, erzĂ€hlte ein anderer Partygast, dass er ziemlich Probleme mit Schnecken habe. Man könne die Schnecken nur essen, wenn sie in KrĂ€uterbutter gedĂŒnstet werden. Ja, man esse die Schnecken eigentlich nur, wegen der zerlassenen KrĂ€uterbutter, die dann mit frischem Weißbrot sehr gut schmecke.

Toter Hummer

Nun fehlten nur noch Geschichten mit Kaviar und Hummer. Die Klassiker sozusagen. Fischeier mag eigentlich keiner. Und an die schreckliche Art, den Hummer zu töten, darf man gar nicht denken und ĂŒberhaupt sollte man ihn deshalb auch gar nicht essen. Richtig. Wir sollten vieles gar nicht essen aus vielen sehr gewichtigen GrĂŒnden.

Vielleicht sollte man analog zum Begriff „Politische Korrektheit“, der den besonders sensiblen Umgang mit der Sprache bezeichnet, um Minderheiten nicht allein schon durch die verwendeten Worte zu diskriminieren, den Begriff der ökologischen Korrektheit fĂŒr unser Essverhalten einfĂŒhren. Immerhin könnten wir uns bei gewissen Delikatessen nicht einmal darauf berufen, dass sie gar so unwiderstehlich munden.

Auf der Party gab es ĂŒbrigens unter anderem Schweinsbraten nach italienischer Art in Rosmarin und Zwiebeln eingelegt und im Holzbackofen gebacken und zum Dessert wurde Stachelbeerkuchen mit Sahne- und Baiserschicht gereicht.

Gabis Kolumne

Vom Aussterben der Telefonzellen und der Parkuhren

Öffentlich Telefonieren heute - es gibt sie noch, die Telefonzelle. Aber selten in gutem Zustand.

Guten Tag!

Dossenheim, 09. Januar 2012. Vor kurzem hat Gabi einen Beitrag gehört ĂŒber Dinge, die quasi ausgestorben sind – und dabei ging es nicht um Dinosaurier, sondern um die jĂŒngste Vergangenheit, also um Sachen, die noch vor wenigen Jahren zum Alltag gehörten. Gabi erinnert sich an Telefonzellen und Parkuhren.

Ich kann mich noch gut an den Geruch von Telefonzellen erinnern und vor allem den der Telefonhörer. Der Geruch war eine Mixtur aus Mensch und Rauch. Wenn ich mich recht erinnere, gab es kleine Aschenbecher aus Metall, die aber nie genutzt wurden und ĂŒberall konnte man die Spuren der ausgedrĂŒckten Zigaretten erkennen. Die TelefonbĂŒcher waren meist zerfleddert und die Nummer, die man suchte, war meist in dem Teil, der ausgerissen war.

Systemfragen

Im Sommer war der Gestank und die Hitze in den Telefonzellen unertrÀglich und im Winter nicht viel besser, aber wenn man davorstand und in der KÀlte darauf wartete, dass sie frei wurde, erschien der Innenraum durchaus verlockend.

Vor allem im Urlaub war die Telefonzelle meist die einzige Möglichkeit mit Zuhause zu telefonieren. In jedem Land musste man sich auf ein neues System einstellen, mal erst wĂ€hlen, dann zahlen, mal umgekehrt. In Italien funktionierte telefonieren zu Lire-Zeiten eigentlich nur mit „Gettoni“, die man irgendwo erwerben musste. In England konnte man, wenn man schnell genug war, ein „Gut angekommen“ in den Hörer brĂŒllen, bevor man die MĂŒnzen einwerfen musste.

Und ĂŒberhaupt die MĂŒnzen. Nie hatte man das richtige Kleingeld parat, entweder – damals war telefonieren ja auch noch richtig teuer – waren die ZehnpfennigstĂŒcke in Nullkommanix weg oder aber man hatte eine Mark eingeworfen und der gewĂŒnschte GesprĂ€chspartner war nicht zu Hause und stattdessen telefonierte man mit dem Vater.

Neues Styling – alter Geruch

In meiner Erinnerung sind Telefonzellen immer noch Gelb, obwohl mit dem Wandel von der Deutschen Post AG zur Telekom irgendwann ein Umstyling in grau-pinkfarbene HÀuschen erfolgte, mit schickeren Hörern und komfortabler Tastenwahl. Der Geruch blieb.

Es gibt sie auch heute noch, aber wenn ich ehrlich bin, ich weiß eigentlich nicht, wo hier im Ort die nĂ€chste Telefonzelle steht. Meist sind das nur noch WandgerĂ€te, die man inzwischen auch mit Geldkarten fĂŒttern kann. Und auch heute sind sie selten in gutem Zustand. Ich glaube, die letzten zehn Jahre habe ich keine mehr benutzt und meine Kinder wie auch andere wahrscheinlich noch nie – die haben heute Handys.

Wirklich vermissen tue ich sie nicht, aber natĂŒrlich hatte sie auch ihre VorzĂŒge, so konnte man in der damals noch handylosen Zeit sagen: „Ich hĂ€tte dich ja gerne angerufen, habe aber leider keine Telefonzelle gefunden“, und ein unangenehmes GesprĂ€ch konnte man mit: „Du jetzt habe ich kein Kleingeld mehr“, problemlos abwĂŒrgen.

Ähnlich wie die Telefonzellen verschwinden auch die Parkuhren immer mehr aus den Straßenbildern – und das ist optisch kein Verlust – beziehungsweise werden durch moderne Parkautomaten ersetzt.

Die EinfĂŒhrung des Euros war der Anfang vom Ende

Als der Parkraum immer knapper wurde, fĂŒhrte man in den 50er Jahren die „Parkographen“ – eine amerikanische Erfindung – ein. Die EinfĂŒhrung des Euros 2002 war quasi der Anfang vom Ende, denn eine UmrĂŒstung auf neue MĂŒnzen wĂ€re fĂŒr die Kommunen zu teuer geworden. So begann der Siegeszug der Parkautomaten und wo man frĂŒher pro Parkplatz eine Parkuhr brauchte, reicht heute ein Automat fĂŒr viele.

Auch bei den Parkuhren fehlte mir stĂ€ndig das passende Kleingeld. Und oft konnte man nur fĂŒr eine halbe Stunde MĂŒnzen einwerfen, so dass man stĂ€ndig wieder hinrennen und nachwerfen musste. Erfreulicherweise waren Parkuhren oft kaputt und mussten dann nicht befĂŒttert werden.

Bedauere ich das „Aussterben“ von Telefonzellen und Parkuhren? Nicht wirklich, ich ĂŒberlasse es nostalgischen Sammlern, sich Telefonzellen oder Parkuhren in den Garten zu stellen.

Ich freue mich, dass ich ein Handy habe und keine öffentlichen Telefoniermöglichkeiten mehr suchen muss, finde es praktisch, dass man Parkscheine auch (meist) fĂŒr lĂ€nger als eine halbe Stunde lösen kann, vermisse weder Euroschecks noch Überweisungsformulare, genieße also insgesamt die kleinen Erleichterungen im Alltag. Denn letztlich fahren wir auch nicht mehr mit der Postkutsche und Kerzenlicht. Das ist romantischen Stunden im Urlaub vorbehalten.

gabi