Dienstag, 19. September 2017

Gemeinderat stimmt einstimmig f├╝r die Entwicklung der Kurpfalzgrundschule zum Ganztagsbetrieb

Mit neuen M├Âglichkeiten zur offenen Ganztagsschule

Dossenheim, 13. Mai 2014. (red/ms/csk) Bereits im Oktober des vergangenen Jahres hat der Gemeinderat beschlossen, die Kurpfalz-Schule zum kommenden Schuljahr zu einer Ganztagsschule weiterzuentwickeln. Inzwischen hat das Land Baden-W├╝rttemberg sein Bildungskonzept f├╝r Ganztagsschulen aktualisiert. Eine schnelle Entscheidung musste her, um bereits im kommenden Schuljahr das ├╝berarbeitete Ganztagsschulkonzept in der Kurpfalzgrundschule umsetzen zu k├Ânnen. [Weiterlesen…]

Ganztagesbetreuung liegt voll im Trend

Brauchen wir in Zukunft noch Eltern?

Dossenheim, 07. Mai 2012. (red/cr) Diskussionen ├╝ber die Ganztagsbetreuung von Kindern nehmen in den letzten Jahren immer weiter zu. Es scheint ein Zeichen der Zeit zu sein, dass beide Eltern berufst├Ątig sind und die Kinder deshalb schon fr├╝hzeitig in einer Einrichtung untergebracht werden m├╝ssen. Nun stellt sich aber die Frage, ob es sich um eine Notwendigkeit handelt – oder einen Trend.

Kommentar: Christian Ruser

Alle sind sich einig. Deutschland braucht mehr Krippenpl├Ątze. Au├čerdem wird ├╝ber Kleinkindbetreuung ab zwei Monaten und die Ganztagsschule ab der Grundschule nachgedacht.

Ganztagsbeteuung, eine Hilfe

F├╝r diese Entwicklung sprechen viele gute Gr├╝nde. Ein typisches Beispiel ist die alleinerziehende Mutter. Sie ben├Âtigt eine Vollzeitstelle, um sich und das Kind oder die Kinder ern├Ąhren zu k├Ânnen. Viele Familien ben├Âtigen den Verdienst beider Partner und manche Eltern wissen nicht, wie sie ihrer Erziehungsrolle gerecht werden k├Ânnen, so dass es f├╝r das Kind besser ist, wenn dies von P├Ądagogen ├╝bernommen wird.

Mit der Ganztagsbetreuung in Kindergarten und Schule soll den Eltern die Teilnahme am Arbeitsleben erleichtert werden. Die Firmen m├╝ssen sich bei der Einstellung weniger Gedanken um fehlende Arbeitskr├Ąfte machen. Aber was gewinnen die Kinder und Familien?

Verlagerung der Bezugspersonen

Wenn Kinder schon fr├╝h zur Ganztagsbetreuung in die Krippe kommen, werden die Erzieherinnen zu neuen Bezugspersonen. Kernerlebnisse wie das erste Wort und der erste Schritt werden nicht mehr in der Familie erlebt. Starke, verbindende Elemente des Familienlebens bleiben auf der Strecke.

In der Schule soll nun nicht nur die Ganztagsbetreuung fortgesetzt werden, sondern auch die Nachmittagsbesch├Ąftigung mit einem sinnvollen Bildungsziel verbracht werden. Erlernen eines Musikinstruments, Sport oder Schachklub sind nur einige M├Âglichkeiten. Das Leben der Kinder wird schon fr├╝h auf Effizienz ausgerichtet.

Ausgebrannt

Der Druck der Arbeitswelt auf den Menschen ist enorm. Immer mehr Krankentage sind auf das Burn Out Syndrom zur├╝ckzuf├╝hren. Die Schlussfolgerung hieraus ist, dass sich viele Menschen vom Arbeitsalltag und den ihnen gestellten Anforderungen ├╝berlastet f├╝hlen.

Wenn nun Kinder ein ├Ąhnliches Zeitpensum t├Ąglich bew├Ąltigen m├╝ssen, wie ihre Eltern, wenn ihr Alltag auf ganzt├Ągiges Lernen ausgerichtet ist, muss man dann nicht bef├╝rchten, dass sie auch ausbrennen? Dass sich diese Kinder irgendwann verweigern, weil sie schlicht und einfach nicht mehr k├Ânnen?

Wo ist die Familie?

Auch stellt sich die Frage, welchen Sinn die Gesellschaft der Familie noch zukommen l├Ąsst, wenn die Erziehungsaufgaben und die Betreuung an Kinderg├Ąrten und Schulen abgetreten wird. Sind dann Familien nicht nur noch Wohngemeinschaften mit Kind?

Wenn sich die Familien zehn Stunden am Tag nicht sehen, weil sie bei der Arbeit sind, acht Stunden, weil sie schlafen, dann bleiben maximal noch sechs Stunden f├╝r die Familie.┬á Kommen zu dieser Rechnung ├ťberstunden, Einkaufsfahrten und Freizeitaktivit├Ąten der Eltern hinzu, ist damit zu rechnen, dass Eltern tats├Ąchlich zu Ern├Ąhrern degradiert werden.

Ich m├Âchte die Idee der Ganztagsbetreuung nicht verteufeln. Bei all der Euphorie halte ich es aber f├╝r notwendig zu ├╝berlegen, wer denn diese Entwicklung wirklich w├╝nscht und wem sie zugute kommt. Ich bef├╝rchte, dass die Kinder bei all dem nicht an erster Stelle stehen.

Vielleicht solle auch dar├╝ber nachgedacht werden, wie sich die Arbeitswelt dem Familienwohl anpassen kann, statt umgekehrt. Dass die Ganztagsbetreuung nicht die L├Âsung sein kann, liegt auf der Hand.