Dienstag, 19. September 2017

Fremdevaluationen geben Auskunft ├╝ber Schulqualit├Ąt - aber nur dem Kultusministerium

Geheime Noten f├╝r die Schulen

Rhein-Neckar, 09. Mai 2014. (red/ld) Halten Schulen, was sie in ihren Leitbildern versprechen? Das untersuchen 90 Mitarbeiter des Landesinstituts f├╝r Schulentwicklung in Baden-W├╝rttemberg im Rahmen der gesetzlich vorgeschriebenen Fremdevaluation. Die Ergebnisse ver├Âffentlicht das Kultusministerium aber nicht – um ein Schulranking zu vermeiden. [Weiterlesen…]

Problemfall Hauptschule

Immer mehr Haupt- und Werkrealschulen schlie├čen sich mit anderen Schulen zusammen

├ťberall im Kreis stehen Hauptschulen vor dem Aus oder eine Fusion oder…. Die fr├╝here Johannes-Kepler-Schule wurde unter der CDU-Regierung zu einer gemeinsamen Werkrealschule Karl-Drais mit Heddesheim und Hirschberg. Was aktuell unter Gr├╝n-Rot aus der Schule wird, ist unklar. Vielleicht einfach nur Geschichte.

 

 

Rhein-Neckar, 23. Oktober 2012. (red/ld) Abstellgleis Hauptschule – Aufstiegsgarant Gymnasium? Mit der Abschaffung der verpflichtenden Grundschulempfehlung bleiben den Haupt- und Werkrealschulen in der Region die Sch├╝ler weg. Wenn auch im jahrgangs├╝bergreifenden Unterricht keine Klasse mehr zusammen kommt, bleibt nur noch, sich mit einer Nachbargemeinde zusammen zu schlie├čen: Heddesheim und Hirschberg haben es schon getan, Edingen-Neckarhausen und Ilvesheim haben sich mit Ladenburg zusammengeschlossen. Am Ende des laufenden Schuljahres wird sich die Weinheimer Karrillonschule mit dem Dietrich-Bonhoeffer-Schulzentrum zusammen schlie├čen.

Von Lydia Dartsch

Je h├Âher der Schulabschluss, desto besser die Job- und Ausbildungschancen. Diese Rechnung geht f├╝r viele Eltern und ihre Kinder auf. Entsprechend bange warteten sie bisher auf die Zeugnisse der vierten Klasse:

Blo├č nicht auf die Hauptschule!,

war f├╝r viele die Hoffnung. Seit diesem Schuljahr k├Ânnen Eltern und Sch├╝ler frei w├Ąhlen und sie w├Ąhlen vermehrt die h├Âheren Abschl├╝sse, wie die Mittlere Reife oder das Abitur. F├╝r die Haupt- und Werkrealschulen ist das ein gro├čes Problem: Ihnen fehlen die Sch├╝ler, um noch Klassen bilden zu k├Ânnen. 28 Sch├╝ler sind die Mindestvoraussetzungen f├╝r eine Klasse. Reichen die Sch├╝ler eines Jahrgangs daf├╝r nicht aus, k├Ânnen die Schulen noch zwei Jahrg├Ąnge zusammen legen, die dann gemeinsam unterrichtet werden. Doch in vielen Gemeinden in der Region gibt es auch f├╝r diese L├Âsung nicht gen├╝gend Sch├╝ler.

„Es ist ein Schulsterben. Das will niemand wahrhaben.“

Schulen zusammenschlie├čen bleibt die letzte L├Âsung f├╝r das Problem. In den Gemeinden werden Schulen ganz geschlossen:

Das ist eindeutig ein Schulsterben,

schildert Endrik Ebel vom Staatlichen Schulamt in Mannheim, das wolle nur niemand wahrhaben. Allein in Heidelberg ist die Zahl der Haupt- und Werkrealschulen in den letzten zehn Jahren von vier auf zwei gesunken. In den letzten Jahren haben sich Edingen-Neckarhausen und Ilvesheim mit der Werkrealschule Unterer Neckar in Ladenburg zusammengeschlossen. Die Sch├╝ler aus Heddesheim m├╝ssen seit einiger Zeit nach Hirschberg (und umgekehrt) zum Unterricht fahren und ab n├Ąchstem Herbst gehts f├╝r die Sch├╝ler der Karillon-Schule zum Unterricht ins Dietrich-Bonhoeffer-Schulzentrum. Das hatte die Stadtverwaltung im Juli bekannt gegeben.

R├╝ckl├Ąufig sind die Sch├╝lerzahlen zwar schon seit 30 Jahren. An den Hauptschulen wird der R├╝ckgang nun auch durch die Abschaffung der Grundschulempfehlung verst├Ąrkt. Die Entscheidung zur Zusammenschlie├čung von Schulen treffe der Schultr├Ąger, erkl├Ąrt David Hager-Mann, Leiter des Staatlichen Schulamtes: „Das ist ein organischer Vorgang. Wenn einer den Eindruck hat, dass es so nicht mehr weiter geht, spricht man miteinander.“ Meistens suche die Schule das Gespr├Ąch mit der Gemeinde.

H├Âherer Abschluss = bessere Jobchancen?

Der Grund f├╝r die Wahl der Eltern ist die Angst der Eltern, ihre Kinder mit einer Anmeldung an der Hauptschule auf das soziale Abstellgleis zu rangieren. Ebel sieht darin eine Begleiterscheinung einer sich entwickelnden Wissensgesellschaft:

In den L├Ąndern der Wissensgesellschaft streben die Eltern f├╝r ihre Kinder m├Âglichst hohe Bildungsabschl├╝sse an. Die meisten schaffen das auch.

Zumindest in den Nachbarl├Ąndern sei das der Fall. Das gegliederte Schulsystem in Deutschland aber versch├Ąrft die Bedingungen f├╝r den sozialen Aufstieg: „Da werden die Qualifikationen schon sehr fr├╝h sichtbar. Die Kinder werden schon von vorneherein abgestempelt. Das f├╝hrt zu gesellschaftlicher Ungleichheit.“

Doch nicht jeder, der in der f├╝nften Klasse aufs Gymnasium geht, bekommt auch das Abitur: „Wenn das Kind nicht mit dem Stoff mitkommt, geht es runter von der Schule“. erkl├Ąrt Ebel: Vom Gymnasium auf die Realschule, von der Realsschule auf die Hauptschule. Die ├╝brigen Haupt- und Werkrealschulen k├Ânnten sp├Ątestens dann an ihre Grenzen sto├čen: „Wenn es keine Hauptschulen mehr gibt, wird es lustig“, meint Ebel.

Bessere M├Âglichkeiten an Gemeinschaftsschulen

An Gemeinschaftsschulen k├Ânnten Kinder individuell gef├Ârdert werden, ist sich Ebel sicher. Das ist im bestehenden Schulsystem nicht m├Âglich: „Die Kinder lernen in unterschiedlichen F├Ąchern auf unterschiedlichen Niveaus“, erkl├Ąrt Ebel. Gemeinschaftsschulen k├Ânnen diese Niveauunterschiede auffangen und „aus m├Âglichst vielen Sch├╝lern m├Âglichst viel herausholen“, wie es Ebel sieht. Das wollen auch die Eltern. So verzeichnet die bisher einzige Gemeinschaftsschule der Region in Bammental seit f├╝nf Jahren einen bemerkenswerten Sch├╝lerzuwachs: „Dort haben sich die Sch├╝lerzahlen verdreifacht“, zeigt sich Ebel begeistert. Dort h├Ątten die Eltern gemerkt, dass individualisiertes Lernen m├Âglich sei, „und das, obwohl sie nur eine Werkrealschule sind“, so Ebel.

Wie geht es weiter mit den Werkrealschulen? ├ťber die Zukunft des Standorts Heddesheim informiert die Gemeinde heute Abend in der Aula der Karl-Drais-Schule. In Weinheim wird der Zusammenschluss der Schule voran gehen. Die Schulleitung hat bisher nicht auf unsere Anfrage reagiert.

Geprothmannt: Schulpolitik muss zukunftsorientiert debattiert werden

Die Ganztagesschule muss kommen – aber sie ist trotzdem ein Problem

Rhein-Neckar, 01. Oktober 2012. (red) Alles sch├Ân und gut. Die Forderung nach einer Ganztagesschule ist richtig, aber trotzdem problematisch. Aktuell wurde im Ladenburger Gemeinderat ├╝ber die Einf├╝hrung der Ganztagesschule an der dortigen Werkrealschule diskutiert – aber die Debatte wird auch in anderen Gemeinden unseres Einzugsgebiet laufen. Und vermutlich St├╝ckwerk bleiben. Weil immer nur kurzfristig geplant wird und niemand den Mut aufbringt, mal zehn oder sogar 20 Jahre nach vorne zu schauen. Oder auch mal zur├╝ck.

Kommentar: Hardy Prothmann

Dieser Beitrag kommt ohne Zahlen aus, weil es nicht um Erbsen z├Ąhlen gehen soll, sondern um einen Aufruf zu einer weitsichtigen Debatte, die leider nicht stattfindet.

Baden-W├╝rttemberg ist unbestritten ein guter Schulstandort. Aber die Zeiten ├Ąndern sich. Mit ihnen die Menschen und die Bedingungen, unter denen sie miteiander leben. Deswegen beginne ich auch mit einem Sprung zur├╝ck.

Ich bin 1966 geboren und bin nach der vierten Klasse in Frankenthal aufs Gymnasium gegangen. Mit ein paar Freunden. Andere Freunde wechselten auf die Reals- oder Hauptschule. F├╝r die Freundschaften war das weitgehend unbedeutend. Um 13:00 Uhr l├Ąutete es, ich war um 14:00 Uhr mit Essen und meist auch mit Hausaufgaben fertig, sp├Ątestens um drei ging es raus: Kicken, Rad fahren, Schwimmen gehen, Bl├Âdsinn machen, Vereinstraining. Mit meinen Freunden und anderen Kindern. Beim Abendessen war ich oft todm├╝de, weil ausgepowert.

Gemeinsamkeit

Mit einigen meiner Freunde bin ich unabh├Ąngig vom Schulabschluss und der sp├Ąteren beruflichen „Laufbahn“ immer noch gut befreundet. Die einen arbeiten als Handwerker, andere in Heilberufen ohne ├ärzte zu sein, es gibt H├Ąndler und Dienstleister unter ihnen. Alles feine Leute, die teils mal richtig ordentlich mehr Geld verdienen als ich. Und die oft um einiges weniger arrogant sind als die, die sich f├╝r die Elite halten.

├ťberhaupt diese ganze leidige Elitendiskussion: Wenn ich einem Kumpel einen franz├Âsischen Text ├╝bersetzt habe oder die Inschriften auf alten Denkm├Ąlern lesen und verstehen konnte, wusste ich, dass ich mehr wei├č als mein Hauptschulfreund. Na und? Daf├╝r konnte der flitzeflink sp├Ąter Ma├če und Winkel berechnen, wusste immer, wo gerade die besten Preise f├╝r was auch immer waren. Das erg├Ąnzt sich bis heute.

Zusammen, statt getrennt

Hardy Prothmann (45) fordert mehr Weitblick bei der Schulpolitik.

Damit bin ich beim Kern der Debatte: Vor meiner Zeit wurden Jungs und M├Ądchen getrennt. Auch zu meiner Zeit wurden wir Kinder getrennt. Gemeinsames Lernen gab es nicht. Aber wir hatten neben der Schule viel Zeit f├╝r Gemeinschaft. Heute werden die Kinder auch getrennt, aber durch die Lebenssituation vieler Eltern brauchen sie eine l├Ąngere Betreuung. Sicher sind auch die Anforderungen in der Schule gestiegen, also auch l├Ąnger Schule.

Ich habe zwei Kinder. Der Sohn hat gerade nach dem achtj├Ąhrigen Gymnasium Abitur gemacht, die Tochter besucht die 8. Klasse. Die kennen keine Haupt- und Realsch├╝ler mehr. Nicht wegen Elitegedanken – ich achte drauf, dass sie bewusst bescheiden bleiben -, sondern weil sie keine Zeit haben. Morgens um sechs Uhr aufstehen, Schule bis um 16-17:00 Uhr. Dann noch Hausaufgaben machen, lernen, etwas Sport und etwas Musik. Damit ist der Tag rum. Ab und an treffen sich „beste Freundinnen“ und das ist nat├╝rlich jemand aus der Klasse. Andere Kinder bekommen sie ja nicht zu Gesicht.

Diese Trennung der Kinder f├╝hrt auch irgendwann zu einer Trennung der Gesellschaft. Gymnasiasten wissen nicht wie Realsch├╝ler ticken und die nicht, wie Hauptsch├╝ler so als Menschen sind. Falsche Elitendebatten f├╝hren zu falschen Selbstbildern bei den „Besten“ wie bei denen, die es „halt nicht geschafft haben“. Und vor allem CDU, SPD und FDP hei├čen diese heillosen Debatten auch noch an. Christliche Verbundenheit, soziales Miteinander oder freies F├╝reinander f├Ąllt diesen „politischen Eliten“ nicht mehr ein. Und umgekehrt kriegen die Gr├╝nen Pickel, wenn jemand Elite sagt, obwohl man die ganz sicher ebenso braucht wie den soliden Handwerker.

Der Schultyp der Zukunft, der auch den Gemeinsinn der Menschen st├Ąrkt und der gesellschaftlichen Situation Rechnung tr├Ągt ist die gemeinsame Ganztagsschule. Damit die nachwachsenden Generationen auch f├Ąhig sind, gemeinschaftlich zu denken. Und ├╝bereinander Bescheid wissen. Nat├╝rlich geh├Ârt auch Inklusion dazu.

Und man muss die Sportvereine in die Ver├Ąnderungen ebenso mit einbeziehen wie Musikschulen. Wenn die Ganztags-Werkrealschule kommt, werden die Vereine erneut Kinder und Jugendliche verlieren. Ganz einfach aus dem Grund, dass nicht alle auf ein Mal im Zeitfenster 17:00-19:00 Uhr auf demselben Platz kicken oder diesselbe Halle belegen k├Ânnen.

Alle m├╝ssen zusammenr├╝cken

Fr├╝her ging man nach der Schule in den Sportverein. „Nach der Schule“ ist heute sp├Ąter Nachmittag oder fr├╝her Abend. Also m├╝ssen die Vereine in die Schulen, ebenso die Musikschulen.

Das wird ein gewaltiger Umbau – denn daf├╝r muss vieles neu gedacht werden. Von Geb├Ąuden, ├╝ber Pl├Ątze, ├╝ber Mittel bis hin zur Organisation. In vielen Gemeinden reichen die Hallenkapazit├Ąten nicht mehr aus. Nicht weil die von morgens bis abens belegt sind, sondern weil immer mehr Anspruch auf diesselben Zeitfenster erheben. Wo soll das hinf├╝hren? Dass jeder 10.000-Einwohner Ort vier Hallen und zwei Kunstrasenpl├Ątze hat?

Man muss nicht nur gesellschaftlich die Schulen neu denken, sondern auch wirtschaftlich. Denn bekanntlich fehlt es an Geld zur Unterhaltun und es wird weniger Kinder geben. Ob man sich diesen Luxus, drei Schulsysteme mit entsprechenden Verwaltungen noch wird leisten k├Ânnen, ist heute schon fraglich. Hinzu kommt der Sch├╝lerverkehr, denn die wenigstens laufen nach der Grundschule in eine weiterf├╝hrende Schule.

Was die Hauptsch├╝ler schon mitmachen mussten, Zusammenlegungen, Werkrealschulreform, erneute Zusammenlegung, jetzt Ganztagsschule wird auch auf die anderen Schultypen zukommen. Gymnasien f├╝hren teils wieder die 9-j├Ąhrigen Z├╝ge nach der G8-Reform ein oder bieten beide Z├╝ge an. Die Realschulen haben „Sorge“, dass ihre „Homogenit├Ąt“ durch Hauptsch├╝ler gest├Ârt wird, da der Wegfall der Schulempfehlung nun Kindern die Realschule erlaubt, die sonst auf der Hauptschule gelandet w├Ąren. Und die Hauptschulen, neudeutsch Werkrealschulen, m├╝ssen bangen, ob sie ├╝berleben k├Ânnen.

Man k├Ânnte das Durcheinander auch als „lebendig“ bezeichnen. Tats├Ąchlich wei├č ich aus vielen Gespr├Ąche mit Eltern und Kindern, dass es als chaotisch begriffen wird. Eine „neue Ordnung“ kann nicht mehr Schaden anrichten als das verkorkste Herumexperimentieren der vergangenen Jahre.

1. Sommerfest an der neuen Martinsschule

Jede Spende ist hier gut investiert

Spa├č und gute Laune zum 1. Sommerfest in der neuen Martinsschule.

 

Ladenburg/Rhein-Neckar, 03. Juli 2012. (red/la) Die Ladenburger Martinsschule ist eine normale Regelschule f├╝r besondere Menschen. Am Wochenende wurde Sommerfest und das 30-j├Ąhrige Jubil├Ąum des F├Ârdervereins gefeiert. Die Martinsschule ist aber auch ein besonderer Ort – der Freude und Zuneigung.

Von Reinhard Lask

Ich bin zum ersten Mal in der Martinsschule. Heute ist ein sch├Âner Tag. Heute wird Sommerfest gefeiert. Doch mir stehen nach kurzer Zeit die Tr├Ąnen in den Augen – ich muss den Anblick von so vielen schwerstbehinderten Kindern erst einmal f├╝r mich selbst verkraften.

Gerade schiebt eine Mutter einen vermutlich spastisch gel├Ąhmten Jungen an mir vorbei. Ihm l├Ąuft der Speichel aus dem Mund und seine H├Ąnde und Arme sind seltsam verdreht. Aber er l├Ąchelt, freut sich wie ein Schneek├Ânig. Ich schaue seiner Mutter in die Augen – auch sie strahlt, ist freudig, denn heute ist ein Festtag. Und den wollen alle gemeinsam mit guter Laune feiern.

Tradition fortf├╝hren

Es ist das erste Sommerfest im neuen Geb├Ąude der Martinsschule. Denn erst seit Februar 2010 unterrichten hier 130 Lehrer rund 195 schwer- und schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche. 65 weitere Sch├╝ler lernen in Inklusionsklassen au├čerhalb der Martinsschule.

Rektor Kurt Gredel er├Âffnet das Fest:

In der alten Schule haben wir alle zwei Jahre unser Sommerfest gefeiert. Diese Tradition wollen wir hier weiterf├╝hren.

Seit acht Jahren ist Kurt Gredel der Rektor – mit Leib und Seele. Er strahlt viel W├Ąrme und eine schier grenzenlose Freundlichkeit aus – so wie alle, die hier mit den Sch├╝lerinnen und Sch├╝lern arbeiten. Heute ist nicht nur Sommerfest – es ist auch das 30-j├Ąhrige Jubil├Ąum des F├Ârdervereins der Martinsschule.

Herzlichkeit

Ein Sch├╝ler kommt an die B├╝hne. Er hei├čt Kevin und stakst mit seinen verdrehten Beinen langsam auf die Rampe zu. J├╝rgen Vosloh, der Vorsitzende des F├Ârdervereins muss den Jungen dabei st├╝tzen, w├Ąhrend dieser zitternd einen Fu├č vor den anderen setzt. ÔÇ×Super machst Du das, KevinÔÇť, lobt Rektor Gredel. Er wei├č, was der Junge leistet.

Er freut sich, Kevin es am Ende die ganze Rampe hoch bis auf die B├╝hne geschafft hat. Kevin ├╝bergibt Vosloh einen Gutschein. Die Sch├╝ler schenken dem F├Ârderverein eine mobile Stellwand, auf der sie in Zukunft ihre Arbeit pr├Ąsentieren k├Ânnen. Kevin sagt etwas. Die einzelnen W├Ârter verstehe ich kaum. Aber ich verstehe auch so, was er sagt. Alle im Foyer verstehen ihn. Kevin bedankt sich – aufrichtig. Der darauf folgende Applaus ist herzlich.

Seit 30 Jahren versucht der F├Ârderverein den Martinssch├╝lern W├╝nsche zu erf├╝llen: 1,1 Millionen Euro hat der Verein seit seiner Gr├╝ndung gesammelt. Eine ganz ├╝berragende Summe, die einem au├čerordentlich guten Zweck zugekommen ist.

Tiefer Respekt

Der n├Ąchste Spender ├╝berrascht:┬á Elmar Ludwig ist ein B├Ąr von einem Mann, der eine schwarze Lederkluft tr├Ągt. Er sieht aus wie ein Rocker, ist das auch, aber ein ganz harmloser – die meisten Klubmitglieder sind Beamte, darunter viele Polizisten. Der Klubpr├Ąsident des Motorradklubs ÔÇ×ExcubitoresÔÇť (lateinisch f├╝r ÔÇ×Die W├ĄchterÔÇť) spendet 500 Euro in bar. Bei seiner Ansprache k├Ąmpft er mit seiner Stimme. Auch er ist bewegt:

Wir haben tiefsten Respekt f├╝r das, was sie alle hier leisten und wollen das auch in Zukunft weiter mit Spendensammlungen unterst├╝tzen.

Alle Kinder d├╝rfen die schweren Maschinen anschauen, mit denen die Klubabordnung gekommen ist – kurz mal mitfahren ist allerdings nicht m├Âglich:

Wir hatten auch mal ├╝berlegt, dass wir mit denen im Kreis fahren, aber das ist zu gef├Ąhrlich.

Herr Ludwig erz├Ąhlt mir, dass ein Kollege eine schwerstbehinderte Tochter hat. Die lag immer wieder auf der Intensivstation. Die Eltern k├╝mmen sich wunderbar aufopfernd um sie: „Das kostet so viel KraftÔÇť, sagt er. Immer wieder ringt der st├Ąmmige Mann mit seiner Stimme: ÔÇ×Wir haben schon viele andere Spenden gemacht. Hier wollen wir auch weiter helfenÔÇť, sagt er. Und: „Ohne meinen Kollegen w├Ąre ich wohl nie hierher gekommen.“

Lebenslange Hilfe n├Âtig

Alle Kinder, die die Martinsschule besuchen brauchen ihr Leben lang Hilfe. So wie ein M├Ądchen, das auf einem Pflegebett liegt. Ich erfahre, dass das M├Ądchen die meiste Zeit nur im Bett liegen kann. Es kann nicht alleine laufen, nur liegen und sich winden. Das macht sie, wenn sie Musik h├Ârt. Dann dreht sie sich im Takt von einer Seite auf die andere. Ich bin froh, dass Musik ihr Freude macht.

Das M├Ądchen sieht aus, als l├Ąge es noch immer im Brutkasten. Vielleicht ist es auch so. Manche Menschen m├╝ssen ihr Leben lang im Brutkasten verbringen. Doch die Martinsschule erm├Âglicht ihnen ein menschenw├╝rdiges Leben. Eines mit Perspektive. Was viele nicht wissen: Die Martinsschule ist zwar eine Schule f├╝r Schwerstbehinderte – aber sie ist eine Regelschule. Die Sch├╝lerinnen und Sch├╝ler machen hier ihren Hauptschulabschluss.

Nat├╝rlich gibts in der R├Âmerstadt auch echte R├Âmer.

Mit den Einnahmen des Sommerfestes soll der Schulgarten ausgebaut werden. Bisher sind die Wege f├╝r Pflegebetten nicht breit genug, sodass das bettl├Ągerige M├Ądchen drau├čen noch keine Pflanzen und Erde f├╝hlen kann: ÔÇ×F├╝r den Ausbau brauchen wir zwischen 40.-50.000 EuroÔÇť, sagt Rektor Gredel. Landrat Stefan Dallinger hat f├╝r den Kreis 5.000 Euro gespendet.

Liebe und F├Ârderung

Jede Spende ist hier gut investiert. Ich bin sehr beeindruckt – von der freundichen Atmosph├Ąre und dem liebevollen Umgang mit den Kindern. Von der Offenheit des Hauses und der Selbstverst├Ąndlichkeit eine normale Schule f├╝r besondere Menschen zu sein.

In anderen L├Ąndern sieht man keine Behinderten auf der Stra├če oder in Schulen. Eine Martinsschule, die vielen der Kinder einen regul├Ąren Schulabschluss erm├Âglicht? Undenkbar in vielen L├Ąndern. Diesen besonderen Menschen einen w├╝rdevollen Platz inmitten der Gesellschaft geben? Kaum vorstellbar.

Hier in der Martinsschule ist das anders. Auch wenn diese jungen Menschen nicht das Gl├╝ck hatten, in „normale“ K├Ârper hineingeboren zu werden, sie haben das Gl├╝ck, einen Platz in der Martinsschule gefunden zu haben. Eine Schule voller Menschen, die alles daran setzen, diesen Kindern alle Liebe und die F├Ârderung zu geben, die sie brauchen.

Hintergrund: Die Martinsschule wird von den St├Ądten Mannheim und Heidelberg sowie dem Rhein-Neckar-Kreis und Kreis Bergstra├če getragen.

Spendenkonten des F├Ârdervereins Martinsschule Ladenburg:

Volksbank Kurpfalz H+G Bank
BLZ 672 901 00
Kontonummer: 502 401 00

Sparkasse Rhein Neckar Nord
BLZ 670 505 05
Kontonummer 660 032 21

Die Bildergalerie finden Sie auf dem Ladenburgblog.de