Montag, 15. Oktober 2018

1. Sommerfest an der neuen Martinsschule

Jede Spende ist hier gut investiert

Spaß und gute Laune zum 1. Sommerfest in der neuen Martinsschule.

 

Ladenburg/Rhein-Neckar, 03. Juli 2012. (red/la) Die Ladenburger Martinsschule ist eine normale Regelschule für besondere Menschen. Am Wochenende wurde Sommerfest und das 30-jährige Jubiläum des Fördervereins gefeiert. Die Martinsschule ist aber auch ein besonderer Ort – der Freude und Zuneigung.

Von Reinhard Lask

Ich bin zum ersten Mal in der Martinsschule. Heute ist ein schöner Tag. Heute wird Sommerfest gefeiert. Doch mir stehen nach kurzer Zeit die Tränen in den Augen – ich muss den Anblick von so vielen schwerstbehinderten Kindern erst einmal für mich selbst verkraften.

Gerade schiebt eine Mutter einen vermutlich spastisch gelähmten Jungen an mir vorbei. Ihm läuft der Speichel aus dem Mund und seine Hände und Arme sind seltsam verdreht. Aber er lächelt, freut sich wie ein Schneekönig. Ich schaue seiner Mutter in die Augen – auch sie strahlt, ist freudig, denn heute ist ein Festtag. Und den wollen alle gemeinsam mit guter Laune feiern.

Tradition fortführen

Es ist das erste Sommerfest im neuen Gebäude der Martinsschule. Denn erst seit Februar 2010 unterrichten hier 130 Lehrer rund 195 schwer- und schwerstbehinderte Kinder und Jugendliche. 65 weitere Schüler lernen in Inklusionsklassen außerhalb der Martinsschule.

Rektor Kurt Gredel eröffnet das Fest:

In der alten Schule haben wir alle zwei Jahre unser Sommerfest gefeiert. Diese Tradition wollen wir hier weiterführen.

Seit acht Jahren ist Kurt Gredel der Rektor – mit Leib und Seele. Er strahlt viel Wärme und eine schier grenzenlose Freundlichkeit aus – so wie alle, die hier mit den Schülerinnen und Schülern arbeiten. Heute ist nicht nur Sommerfest – es ist auch das 30-jährige Jubiläum des Fördervereins der Martinsschule.

Herzlichkeit

Ein Schüler kommt an die Bühne. Er heißt Kevin und stakst mit seinen verdrehten Beinen langsam auf die Rampe zu. Jürgen Vosloh, der Vorsitzende des Fördervereins muss den Jungen dabei stützen, während dieser zitternd einen Fuß vor den anderen setzt. „Super machst Du das, Kevin“, lobt Rektor Gredel. Er weiß, was der Junge leistet.

Er freut sich, Kevin es am Ende die ganze Rampe hoch bis auf die Bühne geschafft hat. Kevin übergibt Vosloh einen Gutschein. Die Schüler schenken dem Förderverein eine mobile Stellwand, auf der sie in Zukunft ihre Arbeit präsentieren können. Kevin sagt etwas. Die einzelnen Wörter verstehe ich kaum. Aber ich verstehe auch so, was er sagt. Alle im Foyer verstehen ihn. Kevin bedankt sich – aufrichtig. Der darauf folgende Applaus ist herzlich.

Seit 30 Jahren versucht der Förderverein den Martinsschülern Wünsche zu erfüllen: 1,1 Millionen Euro hat der Verein seit seiner Gründung gesammelt. Eine ganz überragende Summe, die einem außerordentlich guten Zweck zugekommen ist.

Tiefer Respekt

Der nächste Spender überrascht:  Elmar Ludwig ist ein Bär von einem Mann, der eine schwarze Lederkluft trägt. Er sieht aus wie ein Rocker, ist das auch, aber ein ganz harmloser – die meisten Klubmitglieder sind Beamte, darunter viele Polizisten. Der Klubpräsident des Motorradklubs „Excubitores“ (lateinisch für „Die Wächter“) spendet 500 Euro in bar. Bei seiner Ansprache kämpft er mit seiner Stimme. Auch er ist bewegt:

Wir haben tiefsten Respekt für das, was sie alle hier leisten und wollen das auch in Zukunft weiter mit Spendensammlungen unterstützen.

Alle Kinder dürfen die schweren Maschinen anschauen, mit denen die Klubabordnung gekommen ist – kurz mal mitfahren ist allerdings nicht möglich:

Wir hatten auch mal überlegt, dass wir mit denen im Kreis fahren, aber das ist zu gefährlich.

Herr Ludwig erzählt mir, dass ein Kollege eine schwerstbehinderte Tochter hat. Die lag immer wieder auf der Intensivstation. Die Eltern kümmen sich wunderbar aufopfernd um sie: „Das kostet so viel Kraft“, sagt er. Immer wieder ringt der stämmige Mann mit seiner Stimme: „Wir haben schon viele andere Spenden gemacht. Hier wollen wir auch weiter helfen“, sagt er. Und: „Ohne meinen Kollegen wäre ich wohl nie hierher gekommen.“

Lebenslange Hilfe nötig

Alle Kinder, die die Martinsschule besuchen brauchen ihr Leben lang Hilfe. So wie ein Mädchen, das auf einem Pflegebett liegt. Ich erfahre, dass das Mädchen die meiste Zeit nur im Bett liegen kann. Es kann nicht alleine laufen, nur liegen und sich winden. Das macht sie, wenn sie Musik hört. Dann dreht sie sich im Takt von einer Seite auf die andere. Ich bin froh, dass Musik ihr Freude macht.

Das Mädchen sieht aus, als läge es noch immer im Brutkasten. Vielleicht ist es auch so. Manche Menschen müssen ihr Leben lang im Brutkasten verbringen. Doch die Martinsschule ermöglicht ihnen ein menschenwürdiges Leben. Eines mit Perspektive. Was viele nicht wissen: Die Martinsschule ist zwar eine Schule für Schwerstbehinderte – aber sie ist eine Regelschule. Die Schülerinnen und Schüler machen hier ihren Hauptschulabschluss.

Natürlich gibts in der Römerstadt auch echte Römer.

Mit den Einnahmen des Sommerfestes soll der Schulgarten ausgebaut werden. Bisher sind die Wege für Pflegebetten nicht breit genug, sodass das bettlägerige Mädchen draußen noch keine Pflanzen und Erde fühlen kann: „Für den Ausbau brauchen wir zwischen 40.-50.000 Euro“, sagt Rektor Gredel. Landrat Stefan Dallinger hat für den Kreis 5.000 Euro gespendet.

Liebe und Förderung

Jede Spende ist hier gut investiert. Ich bin sehr beeindruckt – von der freundichen Atmosphäre und dem liebevollen Umgang mit den Kindern. Von der Offenheit des Hauses und der Selbstverständlichkeit eine normale Schule für besondere Menschen zu sein.

In anderen Ländern sieht man keine Behinderten auf der Straße oder in Schulen. Eine Martinsschule, die vielen der Kinder einen regulären Schulabschluss ermöglicht? Undenkbar in vielen Ländern. Diesen besonderen Menschen einen würdevollen Platz inmitten der Gesellschaft geben? Kaum vorstellbar.

Hier in der Martinsschule ist das anders. Auch wenn diese jungen Menschen nicht das Glück hatten, in „normale“ Körper hineingeboren zu werden, sie haben das Glück, einen Platz in der Martinsschule gefunden zu haben. Eine Schule voller Menschen, die alles daran setzen, diesen Kindern alle Liebe und die Förderung zu geben, die sie brauchen.

Hintergrund: Die Martinsschule wird von den Städten Mannheim und Heidelberg sowie dem Rhein-Neckar-Kreis und Kreis Bergstraße getragen.

Spendenkonten des Fördervereins Martinsschule Ladenburg:

Volksbank Kurpfalz H+G Bank
BLZ 672 901 00
Kontonummer: 502 401 00

Sparkasse Rhein Neckar Nord
BLZ 670 505 05
Kontonummer 660 032 21

Die Bildergalerie finden Sie auf dem Ladenburgblog.de