Dienstag, 12. Dezember 2017

Bischoff MĂŒller nennt Kirchenbewegung „parasitĂ€re Lebensform“

Mannheim/Regensburg, 21. Mai 2012. (red) Der Regensburger Bischoff MĂŒller bezeichnet laut einer Meldung von kath.net die „Wir sind Kirche“-Gruppen als „parasitĂ€re Existenzformen“.

Wörtlich soll sich der Bischoff in einem dpa-Interview so geĂ€ußert haben:

Es kann nicht sein, dass Leute, die von sich aus nichts zustande bringen, sich an die großen Veranstaltungen dranhĂ€ngen und eine parasitĂ€re Existenzform bringen.

Solche Bezeichnungen kennt man „normalerweise“ nur aus rechtsextremistischen Kreisen gegenĂŒber Schwulen, AuslĂ€ndern, Kranken oder der linken Politszene.

Zwar fehlt noch die Formulierung der „Ausrottung“ – das dĂŒrfte aber im Kopf der Menschen das nĂ€chste Bild sein, weil man Parasiten, also Ungeziefer hĂ€ufig bekĂ€mpft, um sie „unschĂ€dlich“ zu machen.

FĂŒr einen „Christen“ in der herausgehobenen Position eines Bischofs ist die Wortwahl nicht nur nicht angebracht, sondern ganz und gar verstörend.

 

Katholikentag: Bringt Mannheim die Reformer voran?

Geprothmannt: Der Aufbruch der Àngstlich Selbstbewussten

Mannheim/Rhein-Neckar, 21. Mai 2012. (red) Das Alternativprogramm zum Katholikentag in Mannheim war ein voller Erfolg. Die Kritik der Reformer wurde von den Medien transportiert und die große Zahl der Besucher zeigt, wie groß das BedĂŒrfnis nach Änderungen innerhalb der katholischen Glaubensgemeinde ist. Doch darf man sich nicht allzu viele Hoffnungen machen – die streng-konservativen Haltungen versteifen sich gerade durch die Reformrufe noch mehr. 

Von Hardy Prothmann

Wer von außen auf die katholische Kirche schaut, kann nur mit dem Kopf schĂŒtteln: Der Umgang mit den Skandalen um sexuellen Missbrauch ist erbĂ€rmlich. Der Zölibat ein Anachronismus ohne jeden Sinn – und in der Praxis hĂ€ufig gebrochen. Die Missachtung der Frauen in der Kirche unglaublich. Die Arroganz der „Fachleute“ gegenĂŒber den „Laien“ lĂ€cherlich. Und die ĂŒberall schwelende Drohkulisse einfach nur widerwĂ€rtig.

Damit sind nur einige, wenn auch wesentliche Punkte deutlich kritisiert, die in der katholische Kirche schon lange nicht mehr und vermutlich noch nie gestimmt haben. Andererseits ist die römisch-katholische Kirche eine Gemeinschaft von religiös GlÀubigen, deren Glauben an sich selbstverstÀndlich zu achten ist, sofern es sich dabei um eine freie Willensentscheidung handelt und andere nicht zu schaden kommen.

Katholisch vs. modern

Klare Worte - klare Forderungen. Der österreichische Pfarrer Helmut SchĂŒller ist Kopf einer Reformbewegung.

Und die vielen ehrbaren Menschen, die sich im weitverzweigten System der Kirche fĂŒr andere engagieren, machen sich um das Gemeinwohl verdient, sind eine wichtige StĂŒtze einer funktionierenden Gemeinschaft. Aber die Herausfordungen, an einem modernen Leben teilzunehmen und gleichzeitig „sehr katholisch“ im Sinne von konservativ zu sein, sind manchmal fast unĂŒberwindbar. Deswegen verlieren die Kirchen und insbesondere die katholische immer mehr Mitglieder.

Die Strategie der Konservativen, sich noch mehr auf die Traditionen zu berufen, das Netz immer enger und hierarischer zu ziehen, sich keinen Schritt zu einer Öffnung hin zu bewegen, geht nicht auf, obwohl es zunĂ€chst so scheint. Die Hardliner scharen andere Hardliner um sich, im „Glauben fest verbunden“. Gleichzeitig schotten sie sich von anderen ab. ZunĂ€chst wirkt die „Geschlossenheit“ sehr stark, denn es gibt immer noch gut 27.000 Millionen Menschen in Deutschland, die als Religion „katholisch“ im Pass stehen haben.

Aufbruch vs. Stillstand

TatsĂ€chlich gehen aber nur noch 12 Prozent davon, also rund drei Millionen regelmĂ€ĂŸig in die Kirche. Tendenz weiter stark fallend. Es gibt immer mehr alte Menschen, die sich weniger in die Kirche einbringen können, als nunmehr Leistungen von der Kirche erwarten. Wer sich heute als junger Mensch fĂŒr ein Engagement in der katholischen Kirche entschließt, ist eher ein wertkonservativer Typ, statt ein weltoffener. Auf der Suche nach Orientierung gibt es da einige junge Menschen – aber lange nicht genug, um die zu ersetzen, die der Kirche den RĂŒcken kehren. Der beim Kirchentag propagierte Aufbruch hat den Stillstand als Ziel, nicht die Entdeckung einer neuen Zeit.

Fatalerweise haben sich kritische Geister, die fundamental die Kirchenstrukturen angegangen sind, irgendwann abgewandt, als sie merkten, dass die Starre nicht zu bewegen ist. Die Folge ist Stillstand, sagt der Chefredakteur von Publik-Forum, Dr. Wolfgang Kessler:

In der Vergangenheit hatten die Hardliner ein leichtes Spiel, wenn die Unbequemen selbst gegangen oder gegangen worden sind.

Die Starre ist weiter starrköpfig, aber es gibt eine neue, kritische Bewegung aus der Mitte der GlĂ€ubigen heraus. Mit teils ĂŒber 1.000 Teilnehmern bei Programmpunkten des Alternativprogramms haben die Veranstalter, Wir sind Kirche, Initiative Kirche von unten und die christliche Zeitschrift Publik-Forum ein enormes Interesse gefunden.

Allein zur Auftaktpressekonferenz erschienen 25 Medienvertreter, darunter ARD und ZDF, wie auch ORF, große Zeitungen und die Agenturen:

Das war ein Echo – von den Medien wie den Teilnehmern, das wir so nicht erwartet haben, was uns aber enorm freut, weil es klar macht, wie dringend die Mitte der GlĂ€ubigen endlich Reformen will.

Nach Ansicht von Wolfgang Kessler haben die Kirchenoberen seit 1997, als es ein Kirchenvolksbegehren mit 1,7 Millionen Unterschriften gegeben hat, die Forderungen nach Reformen gezielt untergraben. Bis 2010 die Missbrauchsskandale umso deutlicher machten, dass so vieles nicht mehr stimmt, in dieser „ehrenwerten“ Gemeinschaft.

Die Probleme sind öffentlich geworden und bleiben das solange, bis sie gelöst sind.

Das Kirchenvolksbegehren will die Abschaffung des Zölibats, Frohe Botschaften statt Drohbotschaften, Frauen als Priesterinnen, eine unverkrampfte Sexualmoral und die Beteiligung der Laien in der Kirche. Nichts davon ist seit 1997, also seit immerhin 15 Jahren Wirklichkeit geworden. Der Druck auf die Kirche wĂ€chst, weil selbst Ă€ltere GlĂ€ubige nicht vom Glauben abfallen, wohl aber von den starren Strukturen. Und sei es nur durch den ĂŒberall bemerkbaren Priestermangel.

Sprachlosigkeit vs. Selbstbewusstsein

Chefredakteur Kessler: "Viele sind immer noch Àngstlich."

Die Kirchenoberen reden von Dialog, diktieren aber die Inhalte und wer reden darf. Das steht in krassem Gegensatz zu Entwicklungen in Wirtschaft und Politik und Forschung. Die Basis rumort, wenn auch oft noch Àngstlich.

Der Grund darin liegt sicherlich in einer großen Sprachlosigkeit. Denn die Profis haben den Laien immer gesagt, wo es langgeht. FĂŒr die blieb ein Ja und Amen.

Vorbilder wie Friedhelm Hengsbach und seit einigen Jahren der einnehmende Österreicher Helmut SchĂŒller stellen aber das alte System in Frage. SchĂŒller hat schon mehrere hundert Pfarrer in einer Initiative hinter sich, die den echten Dialog, eine echte Öffnung fordern. Auch in Irland haben sich rund 80 Pfarrer angeschlossen.

Und SchĂŒller ist nicht umsonst so prominent. Er redet klar und verstĂ€ndlich und vor allem: Verbindlich. Er ist kein linker Revoluzzer, sondern ein verdienter Theologe, seriös und sprachgewandt. Er fordert Debatten und die Öffnung fĂŒr die Medien, um Öffentlichkeit herzustellen.

Es fehlen die selbstbewussten Frauen

Die Initiative der Pfarrer, die Herr SchĂŒller organisiert, setzt die Kirche unter Druck. Alternativprogramme wie zum Katholikentag in Mannheim verschaffen Öffentlichkeit und stĂ€rken eine öffentliche Debatte und zeigen eine noch zaghafte Rebellion an. Getragen wird sie vor allem durch eine Generation 50 plus, wie der Journalist Kessler feststellt.

Leider fehlen der Reformbewegung starke Frauen – die hatten ja bislang auch in der katholischen Kirche nichts zu sagen. Stattdessen werden sie in kirchlichen Organisationen zudem ĂŒber Billiglöhne ausgebeutet und durch das kircheneigene Arbeitsrecht immer wieder unter Druck gesetzt.

Wenn die Frauen aber beginnen, fĂŒr sich Rechte zu formulieren und einzufordern, dann beginnt eine Revolution, die Bewegung in die katholische Kirche bringt.

Alle Artikel zum Katholikentag finden Sie hier.

„Was ist drin, im Rucksack?“

Mannheim/Rhein-Neckar, 21. Mai 2012. (red) Wir dokumentieren die Rede des renommierten Sozialethikers Friedhelm Hengsbach SJ vom 17. Mai 2012 in der Mannheimer Johanniskirche. AnlĂ€sslich des Katholikentages 2012 in Mannheim befasste sich der Jesuit mit dem „Aufbruch“, dem Weg aus der Krise der katholischen Kirche.

Friedhelm Hengsbach fordert eine politische Dimension im Zusammenhang mit Glauben – Politik als Sache der Gemeinschaft, als Hinwendung und Engagement. Die Umsetzung des Glaubens im Handeln. Er sagt:

Glaube ist Praxis und nicht irgendein Kult oder was die Kirche uns zu glauben lehrt.

Der 74 Jahre alte Friedhelm Hengsbach ist ein Ă€lterer Herr, der ĂŒberhaupt nicht wie ein „Revoluzzer“ wirkt. Seine Rede ist wohl formuliert und er trĂ€gt sachte und ĂŒberlegt vor. Die Inhalte seiner Rede aber fordern eine Reformation, die aus Sicht der katholischen Kirche eine Revolution sein wird. Und wenn die Kirchenoberen nicht mitmachen, dann sollen die GlĂ€ubigen den Umbau hin zu einer modernen Kirche selbst in die Hand nehmen.

Die Videos der Rede sowie das Redemanuskript finden Sie hier auf dem Rheinneckarblog.de.

Unsere Berichte dazu erscheinen auf dem Rheinneckarblog.de

Katholikentag in Mannheim

Auftaktveranstaltung zum 98. Katholikentag in Mannheim.

Die evangelische Mannheimer Johanniskirche ist ökumenisches Zentrum fĂŒr das Alternativprogramm zum Katholikentag 2012.

Mannheim/Rhein-Neckar, 17. Mai 2012. Auf dem Rheinneckarblog.de, unserer Seite fĂŒr die Region, finden Sie eine umfangreiche Berichterstattung zum Katholikentag 2012. Da die anderen Medien ĂŒberwiegend zum „offiziellen“ Programm berichten, konzentrieren wir uns auf das Alternativprogramm mehrerer Gruppen wie „Kirche von unten“, die dringend Reformen in der katholischen Kirche fordern.

Der Katholikentag wird vom Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) veranstaltet und steht unter dem Motto „Einen neuen Aufbruch wagen“. Rund 30.000 Katholiken haben sich fest fĂŒr das Event bis Sonntag angemeldet, weitere 30.000 Besucher werden erwartet. Die katholische Kirche prĂ€sentiert sich von „ihrer besten Seite“ – tatsĂ€chlich hat die Kirche enorme Probleme und seit 2010 durch die Aufdeckung von hunderten sexueller MissbrĂ€uche viele Mitglieder verloren. Auch die mangelhafte AufklĂ€rung hat der Kirche Schaden zugefĂŒgt und die „GlaubwĂŒrdigkeit“ erschĂŒttert.

Weitere Problemfelder sind der Zölibat, der Umgang mit Schwulen und Lesben, der Ausstieg aus der Schwangerschaftsberatung, der Umgang mit Geschiedenen, Repressionen von Angestellten, Niedriglohnskandale und ein grassierender Personalmangel – immer weniger junge MĂ€nner interessieren sich fĂŒr das Priesteramt, was sicher mit den starren inneren Strukturen der Kirche zu tun hat.

Weltweit ist die katholische Kirche mit 1,2 Millionen Angestellten einer der grĂ¶ĂŸten Arbeitgeber. Auch in Deutschland sind beide Kirchen nach dem Staat der grĂ¶ĂŸte Arbeitgeber. Das Vermögen der katholischen Kirche in Deutschland wird auf 270 Milliarden Euro geschĂ€tzt. Der Katholikentag kostet rund acht Millionen Euro. 3,5 Millionen Euro erhĂ€lt die Kirche dabei an staatlichen ZuschĂŒssen.

Das Alternativprogramm wird mit privaten Spendengeldern ohne jegliche staatlichen ZuschĂŒsse organisiert und findet ĂŒberwiegend in der Johanniskirche Mannheim-Lindenhof statt. Der Eintritt zu den Veranstaltungen ist kostenlos.

Die Sprecher des Alternativprogramms (von links) Wystrach, Hengsbach, Kessler, Göhrig, Weisner bei der Pressekonferenz. Klicken Sie auf das Foto, um zum Artikel auf dem Rheinneckarblog zu gelangen.

 

Am Donnerstag hat Friedhelm Hengsbach SJ um 14:00 Uhr eine „Brandrede“ gehalten: „Eure Sorgen möcht ich haben – worum es wirklich geht“. Am Freitag spricht Eugen Drewermann ĂŒber „Wege zur Menschlichkeit“ und am Samstag wird ĂŒber sexuelle Gewalt in der Kirche diskutiert. Die meisten Veranstaltungen finden in Mannheim-Lindenhof in der evangelischen Johanniskirche statt.

Das  Programm finden Sie hier.

Alle Artikel auf dem Rheinneckarblog zum Katholikentag finden Sie hier.

„Ein Bett wĂ€r‘ nett!“

Heidelberg/Rhein-Neckar, 14. Februar 2012. (red/pm) Heidelbergs OberbĂŒrgermeister Dr. Eckart WĂŒrzner wirbt um SchlafplĂ€tze fĂŒr GĂ€ste des Katholikentages, der vom 16. bis 20. Mai 2012 in Mannheim stattfindet. Ein „Bett auf Reisen“, das die Organisatoren des Mannheimer Katholikentags durch die Region schicken, macht am Donnerstag, 16. Februar, in Heidelberg Station.

Privatquartiere werden benötigt in Mannheim, Ludwigshafen, Heidelberg und den umliegenden Gemeinden mit guter öffentlicher Verkehrsanbindung. Insbesondere Àltere Menschen, Familien mit kleinen Kindern und Menschen mit Behinderung werden in Privatquartieren untergebracht.

Die Bettensuche steht unter der Schirmherrschaft der SĂ€ngerin Joy Fleming. Informationen zur Privatquartiersuche sind online abrufbar unter www.katholikentag.de/betten und können telefonisch unter der „Schlummernummer“ 0621 76440222 erfragt werden. Außerdem liegen in Pfarrgemeinden der Region Informations- und Werbematerialien aus.

Der 98. Deutsche Katholikentag erwartet mindestens 25.000 Dauerteilnehmer aus dem gesamten Bundesgebiet sowie 30.000 TagesgĂ€ste aus der Region. Katholikentage werden in der Regel alle zwei Jahre an wechselnden Orten veranstaltet. Der 97. Deutsche Katholikentag fand 2008 in OsnabrĂŒck statt, 2010 trafen sich Christinnen und Christen beim Zweiten Ökumenischen Kirchentag in MĂŒnchen.