Montag, 25. September 2017

Nachbericht zur 1. √Ėffentlichen Redaktionskonferenz von Rheinneckarblog.de

Danke f√ľr das Lob! Danke f√ľr die Anregungen!

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Auf Tuchf√ľhlung: Unsere Redaktionsmitarbeiter zusammen mit Politikern und G√§sten auf dem Museumsschiff zur 1. √Ėffentlichen Redaktionskonferenz am 13. Oktober.

 

Rhein-Neckar/Mannheim, 22. Oktober 2014. (red/ld) Welche Themen interessieren Sie? Und was wollten Sie uns schon immer einmal sagen? Was k√∂nnen wir besser machen? Das wollten wir von unseren Lesern zu unserer ersten √∂ffentlichen Redaktionskonferenz wissen. Am 13. Oktober trafen wir uns in Ali M√ľllers Restaurant & Caf√© Lounge auf dem Museumsschiff mit den Lokalpolitikern Bernd Kupfer (CDU/Mannheim), Reinhold G√∂tz (SPD/Mannheim) und Raquel Rempp (Freie W√§hler/Schwetzingen), die Said Azami mitbrachte: Der 31-j√§hrigen Afghane berichtete von seiner Flucht und √ľber das Leben in der Schwetzinger Fl√ľchtlingsunterkunft. [Weiterlesen…]

In eigener Sache

Besinnlichkeiten, Bescherungen, Botschaften

 

Rhein-Neckar, 24. Dezember 2012. (red) Wir w√ľnschen unseren Leserinnen und Lesern eine besinnliche Weihnachtszeit, sch√∂ne Bescherungen und frohe Botschaften. Auch wenn der „Wettergott“ es nun dieses Jahr gar nicht gut mit uns gemeint hat und uns sommerlich anmutende Temperaturen von 14¬į Grad beschert hat. Immerhin ist die Welt nicht untergegangen – sie dreht sich weiter. Wir lassen das Jahr geruhsam ausklingen. Ab der zweiten Januarwoche sind wir wieder voll im Einsatz f√ľr Sie da.

Von Hardy Prothmann

Heute Abend wird es √ľberall Bescherungen geben – sch√∂ne Geschenke, die hoffentlich Freude machen. Es wird zusammen gelacht, gefeiert, auch gestritten und gebetet, zur√ľck- und vorgeschaut, sich erinnert. Und nat√ľrlich gut gegessen und getrunken.

Bei uns ist das ganze Jahr Weihnachten. Wir bescheren Sie, unsere Leserinnen und Leser, fast t√§glich und kostenlos mit „Botschaften“. Die sind leider nicht immer „froh“, sondern geben wieder, was in unserer Welt passiert. Denn das haben wir uns zur Aufgabe gemacht und das erwarten Sie selbstverst√§ndlich von uns.

Ist das aber so selbstverst√§ndlich, wie es scheint? Das ist es nicht. Wir erbringen eine Dienstleistung f√ľr die Allgemeinheit, die tausende von Menschen kostenlos nutzen, die aber alles andere als kostenfrei ist. Wir haben in technische Ger√§te investiert, haben laufende Kosten f√ľr B√ľror√§ume, Arbeitsmaterialien, Fahrzeuge. Der gr√∂√üte Posten sind die Honorarkosten f√ľr unsere Mitarbeiter, die sehr engagiert Informationen zusammensuchen, sortieren, verarbeiten und aufbereiten.

Umbruchszeit

W√§hrend wir diese journalistische Dienstleistung aufbauen und ausweiten, stellen andere diese ein. Sp√§testens im Jahr 2012 ist klar geworden, dass der Medienmarkt in einem entscheidenden Umbruch ist. Die Verlierer dieses Prozesses werden die gedruckten Zeitungen sein. Nur ein paar Beispiele: In Hamburg wurde die Financial Times Deutschland eingestellt, in N√ľrnberg die Abendzeitung und hier bei uns vor Ort das Stadtmagazin Meier. Diese Medien sind aus dem Meinungsmarkt verschwunden. Deren Informationen – egal, wie gut oder schlecht sie gewesen sein m√∂gen – werden fehlen.

Stabile Demokratien zeichnen sich aber durch Meinungsfreiheit aus. Bei uns ist diese grundgesetzlich durch Artikel 5 unserer Verfassung gesch√ľtzt. Um sich eine umfassende Meinung bilden zu k√∂nnen, brauchen wir alle verl√§ssliche und umfassende Informationen, die wir gegeneinander abw√§gen. Um eine Haltung zu entwickeln oder Entscheidungen zu treffen.

W√§hrend im Printbereich viele Angebote ersatzlos verschwinden, entstehen bundesweit seit einiger Zeit neue Angebote wie unseres oder von Kollegen. Einige Dutzend haben sich im Netzwerk istlokal.de zusammengefunden und suchen gemeinsam neue Wege, um einen guten, hintergr√ľndigen Lokaljournalismus anbieten zu k√∂nnen.

Kritischer Journalismus bedroht

Wir gehen dabei jeden Tag ein hohes Risiko ein. Denn sobald jemand mit unseren Ver√∂ffentlichungen nicht „einverstanden“ ist, drohen Abmahnungen und Klagen wie vor einem Jahr durch den Gr√ľnen-Politiker Hans-Christian Str√∂bele oder die vermeintliche „Tierschutz“-Organisation Peta oder der Heddesheimer B√ľrgermeister Michael Kessler – in nur drei Jahren sind wir √ľber ein Dutzend Mal abgemahnt worden. Das finanzielle Risiko lag dabei immer zwischen 2.000-10.000 Euro. Insgesamt haben wir bereits √ľber 10.000 Euro an Anwalts- und Gerichtskosten bezahlen m√ľssen. Wie heftig es dabei zugehen kann, zeigt das Beispiel Regensburg-Digital. Unser Kollege Stefan Aigner wurde von der katholischen Kirche verklagt, weil er Zahlungen der Kirche an ein Missbrauchsopfer als „Schweigegeld“ bezeichnet hatte. Durch Spendenzahlungen von Lesern hatte er die finanziellen Mittel, um sich juristisch zu wehren. Das Hamburger Landgericht untersagte dem engagierten Journalisten zun√§chst diese Behauptung, das Hamburger Oberlandesgericht hob das Urteil auf und die Di√∂zese Regensburg legte dagegen Beschwerde beim Bundesverfassungsgericht ein. Die Karlsruher Richter lehnten die Beschwerde ab.

Ganz √ľberwiegend wird kritische Berichterstattung aber anerkannt. An dieser Stelle m√∂chten wir alle die loben, die bereit sind, Kritik nicht nur auszuhalten, sondern anzunehmen und weiter den Austausch suchen. Wir stehen mit dutzenden von Beh√∂rden, mit hunderten von unseren Leserinnen und Lesern in gutem Kontakt, die uns immer wieder wertvolle Hinweise √ľber das Geschehen vor Ort geben, die uns Informationen zukommen lassen, die wir pr√ľfen, aufbereiten und ver√∂ffentlichen.

Hochwertige Informationen sind wertvoll

√úber dieses Engagement sind wir sehr dankbar. Ebenso √ľber das Vertrauen, dass uns unsere Werbekunden schenken. Die Einnahmen aus der Werbung bezahlen unsere Arbeit. Unsere Werbekunden wiederum nutzen die durch uns erzeugte Aufmerksamkeit gerne, weil sie den Medienwandel verstehen und feststellen, dass wir zwar immer wieder streitbare, aber insgesamt sehr hochwertige Informationen anbieten. Weil wir Informationen nicht langweilig verwalten, sondern einordnen und bewerten.

Im kommenden Jahr werden wir √§hnlich wie unser Berliner Kooperationspartner Prenzlauerberg-Nachrichten einen Freundeskreis schaffen und eine finanzielle Unterst√ľtzung bei Ihnen, unseren Leserinnen und Lesern, einwerben. Wir wissen, dass der √ľberwiegende Teil unserer Leserinnen und Leser unsere Arbeit wertsch√§tzt und lassen uns √ľberraschen, inwieweit das „honoriert“ wird. Sie, liebe Leserin, lieber Leser, k√∂nnen also selbst ihren Teil beitragen, um unseren kritischen Journalismus, den wir nicht aus Selbstzweck, sondern f√ľr Sie machen, zu unterst√ľtzen. In Stuttgart hat „Kontext – Die Wochenzeitung“ √ľber 1.000 Unterst√ľtzer gefunden, die zehn Euro und mehr im Monat (ohne Abo-Bindung) zahlen, um deren journalistische Arbeit zu finanzieren. Sicher aus der √úberzeugung heraus, dass kritischer Journalismus absolut notwendig ist, damit die Demokratie lebendig bleibt.

W√§hrend Gro√üverlage Teile ihrer Angebote einfach einstellen, wenn sie nicht genug abwerfen, bauen wir auf und investieren. Die Gesch√§fte entwickeln sich positiv – Ihre Unterst√ľtzung k√∂nnen wir trotzdem gut brauchen. Und die ist gut angelegt, weil wir im Gegensatz zu anderen Medien tats√§chlich unabh√§ngig arbeiten.

Schlechte Nachrichten vs. positive Entwicklungen

Wir nutzen zum Jahresende die „besinnliche“ Zeit, um √ľber das zu Ende gehende Jahr nachzudenken und das kommende Jahr vorauszudenken. Wir ziehen Bilanz, was uns gut gelungen ist, was weniger, was wir besser machen k√∂nnen. Sie unterst√ľtzen uns dabei fortw√§hrend, durch Kommentare, Postings auf Facebook, emails, Anfrufe und pers√∂nliche Gespr√§che. Daf√ľr danken wir ebenfalls sehr herzlich.

Leider besteht unsere Arbeit oft nicht aus „frohen Botschaften“ – denn wir m√ľssen √ľber Missst√§nde berichten, damit diese bekannt und hoffentlich beseitigt werden. Wir freuen uns aber immer, wenn wir positive Nachrichten oder zufriedenstellende L√∂sungen verbreiten k√∂nnen. Und manchmal kommt beides zusammen: Die Aktivit√§ten der rechtsradikalen NPD sind schlechte Nachrichten, der Widerstand von Gegendemonstranten dagegen sind sehr gute Nachrichten. Die Katastrophe von Fukushima war eine besonders schlechte Entwicklung, das daraus entwickelte Umdenken in Richtung Energiewende ist eine positive Wendung. Dass wir privaten Energieverbraucher geschr√∂pft werden, w√§hrend Stromfresserbetriebe von der Bundesregierung verschont werden, ist eine doppelt schlechte Nachricht. Wir informieren Sie √ľber all das und helfen Ihnen, sich ein Bild zu machen und sich eine m√∂glichst differenzierte Meinung bilden zu k√∂nnen.

Eine sehr sch√∂ne Nachricht ist, dass unser Flashmob-Video, das wir im vergangenen Jahr in Weinheim produziert haben, mittlerweile fast 50.000 Menschen gesehen haben. In einer sch√∂nen, friedlichen Atmosph√§re singen Menschen zusammen und erfreuen sich und andere an sch√∂ner Musik. In diesem Sinne w√ľnschen ich Ihnen stellvertretend f√ľr die gesamte Redaktion Frohe Weihnachten und einen guten Rutsch.

Ihr

Hardy Prothmann
Chefredakteur

P.S. Bei aktuell wichtigen Ereignissen finden Sie selbstverständlich auch in der Ferienzeit Informationen bei uns.

 

Journalist vs. katholische Kirche

Geprothmannt: Solidarität mit Aigner

Der Regensburger Dom – Sinnbild der Meinungsverachtung und des Schweigegelds. Quelle: Regensburg-digital.de

Rhein-Neckar/Regensburg, 24. September 2012. (red) Der Regensburger Journalist Stefan Aigner ist jemand, der genau hinschaut. Jemand, der sich um Opfer k√ľmmert. Jemand, der die l√§ngst vergessene Kunst der Sozialreportage im Lokalen wieder aufleben l√§sst. Jemand, dem es nicht egal ist, ob man „Streumunition“ als „intelligente Wirksysteme“ bezeichnet. Und immer wieder wird der Journalist von Konzernen verklagt: Ob von Waffenfabrikanten wie „Diel“, ob von Glaubensfabrikanten wie der „Di√∂zese Regensburg“ oder von einer XXL-M√∂belfabrikantenkette. Die katholische Kirche will Stefan Aigner exkommunizieren und geht bis vors weltlich j√ľngste Gericht. Der Glaubenskonzern will dem Regensburger Journalisten verbieten lassen, im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch Geldzahlungen als „Schweigegeld“ zu bezeichnen.

Von Hardy Prothmann

Die Di√∂zese Regensburg hat die Widerw√§rtigkeit als Glaubensprinzip entdeckt. Der juristische Glaubenskampf eines Bischofs M√ľller ist an Erb√§rmlichkeit nicht zu √ľberbieten. √úber Jahrzehnte¬† hat die katholische Kirche den Missbrauch von Schutzbefohlenen „gedeckt“.

Der Skandal des mannigfachen sexuellen Missbrauchs von Kindern Jugendlichen durch katholische Priester oder sonstige Angestellte dieser Kirche hat nicht nur die Glaubensgemeinde, sondern das ganze Land ersch√ľttert. Eine glaubhafte Aufkl√§rung durch die Verantwortlichen hat nicht stattgefunden. Die Missbrauchsopfer wurden durch diese Kirche nochmals verh√∂hnt und √∂ffentlich vergewaltigt.

„Beigeschmack“

Der Regensburger Journalist Stefan Aigner hat sich vor Ort „um das Thema gek√ľmmert“. Und Zahlungen an ein vergewaltiges Opfer als „Beigeschmack von Schweigegeld“ bezeichnet. Wie auch der Spiegel. Das Magazin formulierte h√§rter: Schweigen gegen Geld. Von „Beigeschmack“ ist da keine Rede.

Die Di√∂zese Regensburg hat im Zuge des „fliegenden Gerichtsstands“ dann in Hamburg gegen Spiegel und Aigner geklagt. „Fliegender Gerichtsstand“ meint – da das Internet √ľberall ist, sucht man sich das Gericht aus, bei dem man sich die besten „Chancen“ ausrechnet. Was das √ľber eine Gerichtsbarkeit „im Namen des Volkes“ aussagt, soll hier nicht debattiert werden.

Das Landgericht Hamburg hat erwartungsgem√§√ü sowohl den Spiegel als auch Aigner verurteilt, die Behauptung von „Schweigegeldzahlungen“ zu unterlassen. Doch das Oberlandesgericht hat das Urteil des Landgerichts kassiert. Das passiert oft, aber nur, wenn man es sich leisten kann. Stefan Aigner konnte das, weil er rund 10.000 Euro Spendengelder einwerben konnte, um sich zu wehren. Sonst w√§re er ruiniert gewesen. Im Sinne der Kirche. Denn Aigner hatte vorher versucht, eine Einigung zu erzielen. Sowas wollte das Bistum nicht. Bischof M√ľller steht f√ľr Inquisition.

Verfassungsbeschwerde gegen „Schweigegeld“

Gegen das Urteil des Oberlandesgericht hat die Di√∂zese Regensburg nun laut einem Bericht von regensburg-digital.de „Verfassungsbeschwerde“ eingelegt. Bischof M√ľller als Verantwortlicher will also vom h√∂chsten deutschen Gericht kl√§ren lassen, ob Zahlungen an die Familie eines von einem katholischen Priester zweifelsfrei missbrauchten Jungen als „Schweigegeld“ bezeichnet werden darf oder nicht.

Abseits jeder juristischen „Einordnung“ macht das fassungslos. Jede Scham fehlt. Jedes Schuldbewusstsein. Jede Verantwortlichkeit. Selbst wenn es kein Schweigegeld gewesen w√§re, vermisst man bis heute Demut und Anstand bei der Di√∂zese Regensburg. Vielleicht „stinkt der Kopf vom Fisch her“ hier besonders von der Person M√ľller, aber insgesamt ist das Verhalten der katholischen Kirche in Sachen Aufkl√§rung in ganz Deutschland auf ungl√§ubiges Entsetzen gesto√üen.

Um auch das festzustellen: Die „ungeheuerliche“ Klage richtet sich allein gegen einen gro√üen Verlag, den Spiegel und gegen einen freien Journalisten, Stefan Aigner. Auch das erstaunlich oder auch nicht. Die vor Ort „etablierte Presse“ hat entweder gar nicht oder im Sinne der Kirche berichtet. Eine kritische Berichterstattung hat es hier nicht gegeben. Vor Ort soll alles seinen Gang gehen wie immer, Kritik ist nur „in Ma√üen“ erw√ľnscht, was sich h√§ufig in Ma√übierberichterstattung best√§tigt, die Tageszeitungen bedienen teuer bezahlende Kunden gut und der Rest findet nicht statt.

Regensburg ist √ľberall

Regensburg ist √ľberall. Genau wie Heddesheim, Ilvesheim oder Weinheim. Was anders ist: Es gibt neue, freie und unabh√§ngige journalistische Angebote. Die sich trauen, hintergr√ľndig zu berichten. Und immer √∂fter finden sie Themen, die deutschlandweit Interesse finden, w√§hrend Lokalzeitungen in ihrer Instant-Bratwurst-So√üe schwimmen. Im Gegensatz zu denen, die sich nichts in den Block diktieren lassen, sondern auf dem Blog anprangern, was schief l√§uft.

Teilen Sie diesen Artikel, informieren Sie Ihre Freunde und Bekannten √ľber neue M√∂glichkeiten. Fragen Sie sich, was Ihrer Meinung nach „√∂ffentlich“ sein muss. Informieren Sie wirklich kritische Journalisten. Helfen Sie mit Ihrem Interesse Stefan Aigner – denn der macht das nicht f√ľr sein Bankkonto, sondern aus √úberzeugung. Ich halte ihn f√ľr einen ganz herausragenden Journalisten, der mit Herzblut und einer nach Artikel 5 Grundgesetz bestimmten Haltung eine St√ľtze unserer Demokratie ist. Einen Preis wird er f√ľr seine engagierte Arbeit vermutlich nie gewinnen. Denn er ist kein Teil des „Print-Preis-Systems“, das sich nur selbst huldigt.